Großflughafen BER: Lärmgegner protestieren in Schönefeld

Berlin - Hunderte Fluglärmgegner aus Berlin und dem Umland haben sich am Samstag in der Abflughalle des Flughafens Berlin-Schönefeld zum Protest versammelt. Mit Plakaten und Aktionen wie Trommeln, Pfeifen und Rufen wie "Lärm macht doof" protestierten sie gegen den Fluglärm, den sie vom neuen Flughafen Berlin Brandenburg befürchten. Der Großflughafen soll am 3. Juni in Betrieb gehen. Die Demonstranten fordern unter anderem ein absolutes Nachtflugverbot von 22.00 bis 6.00 Uhr, Änderungen an den Flugrouten und bessere Lärmschutzmaßnahmen.

Aufgerufen hatte das Aktionsbündnis Berlin-Brandenburg (ABB). Die Berliner Fluglärm-Gegner wollen sich mit dieser Aktion mit Betroffenen aus dem Rhein-Main-Gebiet zusammenschließen. Dort waren am Samstag rund 10.000 Protestteilnehmer aus der Region um den Flughafen Frankfurt/Main zusammen gekommen.

Furcht vor Ausbau zu internationalem Drehkreuz

"Es war eine Superstimmung", sagte ein Sprecher der Bürgerinitiative Biss Spandau. "Man merkt deutlich, dass sich die Fluglärmgegner und die Menschen, die sich für Nachtruhe einsetzen, bundesweit organisieren, um bei der Politik Gehör zu finden." Nach seiner Schätzung waren es in Schönefeld 500 bis 600 Teilnehmer. Die Polizei sprach von etwa 300 Leuten. Die Veranstaltung verlief ohne Zwischenfälle, wie ein Polizeisprecher in Frankfurt (Oder) sagte. Passagiere konnten trotz der Veranstaltung die Halle passieren.

Die Kritiker des Flughafens bangen um ihre Ruhe und rechnen mit starken Lärmbelästigungen. Sie fordern deshalb ein absolutes Nachtflugverbot von 22.00 bis 6.00 Uhr. Zudem wird befürchtet, dass der Flughafen weiter zu einem internationalen Drehkreuz mit noch mehr Starts und Landungen ausgebaut werden könnte. Nach den aktuellen Flugrouten ist Blankenfelde-Mahlow am stärksten von Fluglärm betroffen. Der Ort will sich juristisch wehren.

Das Umweltbundesamt hatte beim Ausbau von Flughäfen in Deutschland angemahnt, alle Möglichkeiten zur Lärmminderung auszuschöpfen. Aus seiner Sicht ist ein Nachtflugverbot an stadtnahen Flughäfen von 22.00 bis 6.00 Uhr notwendig. Derzeit soll zwischen Mitternacht und 5.00 Uhr am Flughafen Ruhe herrschen.

Herzinfarkt und Schlaganfall durch Fluglärm

Nach Ansicht des Epidemiologen Eberhard Greiser ist sich die Wissenschaft mittlerweile einig, dass ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Fluglärm und Herz- und Kreislaufkrankheiten besteht. "Das heißt: Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzschwäche und coronale Herzkrankheiten", sagte Greiser am Samstag. Fluglärm sei vor allem nachts schädlich. Für eine Studie über die Auswirkungen von Fluglärm hatte Greiser Daten von einer Million Versicherten aus dem Raum Köln/Bonn ausgewertet. (dpa/Reuters)