Berliner Künstler fürchten bei der Schulbauoffensive des Senats nicht hinreichend berücksichtigt zu werden. Grundsätzlich soll bei jedem neuen öffentlichem Schulgebäude ein Prozent der Bausumme für Kunst am Bau ausgegeben werden. Doch nach bisherigen Überlegungen der Bildungsverwaltung soll wohl eine Pauschalsumme von maximal 500.000 Euro gezahlt werden. Deutlich weniger als bei der Ein-Prozent-Regelung. „Eine Zusammenfassung von Mitteln für Kunst am Bau ist grundsätzlich denkbar, aber noch nicht beschlossen“, antwortete Bildungsstaatssekretär Mark Rackles (SPD) dazu auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Daniel Wesener.

Wesener hat das am Beispiel der zehn geplanten Schulbauten erfragt, die in den nächsten Jahren beschleunigt gebaut werden sollen. Würde nur die Maximalsumme von 500.000 Euro zur Verfügung gestellt, wäre das viel weniger, als würde man bei jeder einzelnen Maßnahme die Ein-Prozent-Regel ansetzen. Denn für die zehn Schulgebäude sollen dem Vernehmen nach 220 Millionen Euro investiert werden. Ein Prozent wäre etwa 2,2 Millionen Euro. „Kunst am Bau ist auch eine Frage der Schulraumqualität und kann gerade in Zeiten des seriellen Bauens einen Unterschied machen“, sagte Wesener, auch kulturpolitischer Sprecher seiner Fraktion. Bei den Modularen Ergänzungsbauten ist laut Rackles zudem ohnehin keine Kunst am Bau vorgesehen.

Die Künstler selbst sehen hierin eine vertane Chance. „Wenn man die Bestimmungen ernst nehmen würde, könnte man daraus ein Programm zur Künstlerförderung machen“, sagte Elfriede Müller, Leiterin des Büros für Kunst im öffentlichen Raum. Viele Berliner Künstler würden in prekären Verhältnissen leben.

8000 professionelle Künstler

Tatsächlich hat jüngst eine Studie des Institutes für Strategieentwicklung ergeben, dass 90 Prozent der Berliner Künstler von eigenem künstlerischen Schaffen nicht leben können. Sie verdienen demnach durchschnittlich 11.662 Euro im Jahr und haben eine Rentenerwartung von gerade einmal 357 Euro pro Monat. Dabei gilt Berlin mit seinen 8000 professionellen Künstlern nach New York als der weltweit wichtigste Produktionsstandort von Gegenwartskunst. Auch Wesener sagt: „Die 8000 Bildenden Künstlerinnen und Künstler in der Stadt haben eine Chance verdient, am Großprojekt Schulbau beteiligt zu werden.“

Vor der Staatlichen Ballettschule zum Beispiel stehen die verschiedenartigen Metallstreben, die an einen roten Vorhang erinnern sollen. „öffnen gleiten fließen lüften bauschen schließen“ heißt das Werk der Künstlerin Veronike Hinsberg. Gekostet hat es 147.000 Euro.

Kunst am Bau wird ausgeschrieben und es gibt in der Regel Wettbewerbe. Der Senat aber will die Planungs- und Bauzeit von Schulgebäuden um die Hälfte reduzieren. An Gebäuden, die die Howoge baut, wird es indes Kunst am Bau geben.