Berlin - Der BER ist nicht überall. Längst nicht jedes große Bauprojekt in der Hauptstadt-Region geht so holprig voran wie jahrelang der Flughafen-Bau. „Wir liegen im Zeitplan“, sagte Ute Bonde von der Projektrealisierungsgesellschaft U5, die für den U-Bahn-Bau in Mitte verantwortlich ist. „Ende 2020 fährt die U5 von Hönow zum Hauptbahnhof.“ Klar ist nun aber auch, dass die Züge eine der drei neuen Stationen zunächst ohne Halt passieren werden. „Im U-Bahnhof Museumsinsel werden wir einige Monate lang durchfahren.“

Lange Zeit war dies nur als „Plan B“ dargestellt worden, inzwischen steht es fest: Voraussichtlich ein halbes Jahr lang wird die U 5 auf diesem Teil der Neubaustrecke in Mitte zu einer Express-U-Bahn. Erst ab Mitte 2021 könnten die Züge auch im U-Bahnhof Museumsinsel halten, teilte die Finanz-Geschäftsführerin mit.

Unter den Linden 2020 größtenteils wieder frei

Dabei sind die Bauleute dort schon ziemlich weit gekommen, sagte Stephanie Niehoff, die Sprecherin des Tochterunternehmens der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Wie berichtet musste der Boden vereist werden, damit das Grundwasser den Bau der in 25 Meter Tiefe gelegenen Tunnelstation nicht behindert. Im Schutz des riesigen Eisblocks erntstand der Rohbau. Der 28 000 Kubikmeter große Block ist inzwischen wieder getaut, und nach einigen Nacharbeiten konnte festgestellt werden, dass die Betonschale dicht ist. Damit ist klar: Ab Dezember 2020 können U-Bahnen durch den Bahnhof fahren.

Doch weil die Vereisung erst einige Monate später als geplant begann, musste der Zeitplan angepasst werden. Absehbar ist, dass der Innenausbau und die Anlagen an der Oberfläche 2020 noch nicht abgeschlossen werden können. Und so tritt „Plan B“ nun tatsächlich in Kraft.

Dass das Projekt U5 die Zielgerade erreicht hat, wird ab Mitte des kommenden Jahres auf der Straße Unter den Linden sichtbar. „Dann wird damit begonnen, die Baustelle abzubauen“, kündigte Bonde an. Das Bezirksamt Mitte werde den Boulevard wieder so herstellen wie vor fast zehn Jahren, als er als Baustelle in Beschlag genommen wurde.

"Die neuen Linden wachsen bereits in der Baumschule heran“, sagte Niehoff. Um die 2,2 Kilometer lange Lücke zwischen den U-Bahnhöfen Alexanderplatz und Brandenburger Tor schließen zu können, mussten 116 Bäume gefällt werden – darunter 53 an der Straße Unter den Linden. 

„Die Anwohner mussten einiges mitmachen“, so Bonde. Darum bemühen sich die U-Bahn-Planer um ein gutes Verhältnis zu ihnen. Jetzt gibt das BVG-Unternehmen Geld dafür, damit der Streetart-Künstler Snyder zwei Holzeinhausungen in der Friedrichstraße gestaltet – so lassen sich Schmierereien verhindern. Die Bauten sorgen dafür, dass keine Unbefugten in den U-Bahnhof Unter den Linden eindringen, in der Fahrgäste künftig zwischen der U5 und U6 umsteigen können.

Am Dienstag wurde das Projekt zusammen mit dem Verein „Die Mitte“, in dem sich 170 Anlieger der der Friedrichstraße organisiert haben, vorgestellt. Wer sich dafür interessiert, kann Snyder nun eine Woche lang bei der Arbeit beobachten. Seit 25 Jahren ist er schon aktiv, sagt er. „Damals fing ich an, mit zwei Schulfreunden in Steglitz zu taggen.“ Tags sind Buchstabenkombinationen, die wie Unterschriften wirken sollen. Sie zeigen, welcher „Writer“ an dem betreffenden Ort gewesen ist. 

Hoffnung auf weitere Aufträge

Inzwischen hat Snyder den Sprung in die Kunst geschafft. Die erste Einzelausstellung des Berliners hieß Lokomotion. Basis waren Signaltafeln, Andreaskreuze und andere Dinge aus der Bahnwelt – die immer wieder Schauplatz von Graffiti und Streetart ist. Der 38-Jährige sagt, dass er sich auch schon dort getummelt hat.

"Die Anlieger mussten viel schultern. Wir sind sehr froh, dass das Projekt U5 auf der Zielgeraden ist", sagte Guido Herrmann, Vortandsvorsitzender von "Die Mitte". „Wann genau an welchem Tag die U-Bahn-Strecke in Betrieb geht, können wir allerdings noch nicht sagen“, sagte Ute Bonde. Doch fest steht: „Es wird groß gefeiert.“

Die Projektrealisierungsgesellschaft wird in ein neues Unternehmen überführt, dass sich um künftige U-Bahnbauten kümmert. „So bleibt das Know-how in der Stadt.“ Die U5 werde sicher nicht das letzte Projekt dieser Art sein.