Potsdam - Mit groß angelegten Razzien ist die Polizei am Mittwoch gegen Rockerclubs in Nordbrandenburg vorgegangen. Wie das Polizeipräsidium Potsdam mitteilte, waren dabei 150 Polizisten im Einsatz. Die Aktion war initiiert von der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder), die sich schwerpunktmäßig um die Bekämpfung der Organisierten Kriminalität im Land kümmert. Die Razzien sind der vorläufige Höhepunkt in einem umfangreichen Ermittlungsverfahren des Landeskriminalamtes wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung und wegen schweren räuberischen Erpressung.

Die Polizisten durchsuchten in Schwedt, Frankfurt (Oder), Eberswalde, Seelow, Wriezen, Britz, Neutrebbin, Bernau und einmal in Berlin insgesamt 22 Objekte, davon drei Wohnungen und zwei Clubräume der Rocker. Nach Angaben der Polizei wurden dabei schriftliche Unterlagen sichergestellt sowie elektronische Datenträger, Mobiltelefone, zwei Jammer - also Störsender -, Pfefferspray, ein Schlagring, mehrere Messer, deren Besitz gegen das Waffenrecht verstößt, sowie „Polenböller“ und auch Betäubungsmittel.

Ermittelt wird gegen Angehörige der Hells Angels, der Red Devils sowie gegen Rocker aus dem Umfeld der Clubs. Diese Männer sind zwischen 22 und 45 Jahre alt und werden verdächtig, im nordöstlichen Brandenburg von Diskotheken- und Barbetreibern Schutzgeld erpressen zu haben oder diese genötigt zu haben, dass sie die Rocker als bezahlte Türsteher anheuern.

Hells Angels aus Aachen als Initiator

Nach Angaben der Ermittler gilt ein Angehöriger der Hells Angels aus Aachen als einer der „Initiatoren der Straftaten“. Der Mann stammt aus Brandenburg und soll den Hells Angels MC Berlin Central nahestehen. Zudem soll er als „Mentor“ der Red Devils gelten - besondere der Clubs in Seelow und Eberswalde  sowie in Schwedt und Templin. Der Mann sitzt seit 20. Oktober wegen des Verdachts des illegalen Handels mit Betäubungsmitteln in Untersuchungshaft.

Im Land Brandenburg sind aktuell 23 polizeilich relevante Rockergruppen aktiv. Die Szene umfasst etwa 375 Personen. Im Jahr 2015 wurden landeweit 164 Straftaten den Angehörige der Rockerclubs zugeschrieben. Nach Auskunft der Polizei ging es meist um Erpressungen, räuberische Erpressungen, Körperverletzungen sowie Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz.