Bei einem Großeinsatz gegen eine mutmaßliche Schleuserbande haben Bundespolizisten in Berlin und Brandenburg vier Hauptverdächtige verhaftet. Die drei Männer und eine Frau sollen in etwa 200 bislang ermittelten Fällen Scheinehen arrangiert haben, wie ein Sprecher der Bundespolizei der Deutschen Presse-Agentur sagte. Ihnen werde zur Last gelegt, die gewerbsmäßige Einschleusung von Ausländern organisiert zu haben. Bis zum Dienstagmittag wurden bei der am Morgen gestarteten Aktion 50 Objekte in drei Bundesländern durchsucht.

Größter Einsatz der Bundespolizei in Berlin gegen Schleuser

Bei dem bislang größten Berliner Einsatz der Bundespolizei gegen Schleuser sind auch 170 000 Euro in bar und zwei teure Autos beschlagnahmt worden. Das teilte Thomas Striethörster, Chef der Bundespolizei für Berlin und Brandenburg, am Dienstag mit. Bislang seien 200 Fälle bekannt, in denen eine Schleuserbande Ausländer illegal nach Deutschland gebracht und Scheinehen arrangiert haben soll.

Rund 570 Beamte waren an dem Einsatz gegen die mutmaßliche deutsch-serbische Bande beteiligt. Laut Bundespolizei erfolgte der Großeinsatz im Auftrag der Staatsanwaltschaft Berlin. Die meisten durchsuchten Wohnungen waren in Berlin in mehreren Stadtbezirken. In Brandenburg wurde eine, in Nordrhein-Westfalen zwei Privatwohnungen durchsucht.

Dringend tatverdächtig – drei Deutsche, ein Serbe

Die Festnahmen erfolgten am frühen Morgen in den Berliner Stadtteilen Reinickendorf, Friedrichshain-Kreuzberg, Marzahn-Hellersdorf sowie dem brandenburgischen Teltow. Nach Angaben des Sprechers handelte es sich um zwei deutsche Männer im Alter von 51 und 63 Jahren, eine 51-jährige deutsche Frau und einen 40 Jahre alten Serben.

Die Ermittlungen wegen des Vorwurfs der Banden- und gewerbsmäßigen Einschleusung von Ausländern laufen nach Angaben des Sprechers der Bundespolizei seit Oktober 2017. Die Staatsanwaltschaft hatte die Haftbefehle gegen vier Beschuldigte schon vor den Durchsuchungen erwirkt. 

Durch die vorgetäuschten Eheschließungen hätte die Bande Menschen aus Pakistan, Nepal und Albanien einen dauerhaften Aufenthalt in Deutschland ermöglichen wollen. Bis zu 16 000 Euro sollen dafür jeweils gezahlt worden seien. „Das hat die Menschen teils auch in Abhängigkeiten gebracht“, so der Sprecher.

Für die Scheinehen sollen die Beschuldigten fingierte Ehepartner vorwiegend aus dem süd- und osteuropäischen Raum vermittelt haben. Teilweise seien Heiratsurkunden aber auch komplett gefälscht worden, so der Vorwurf. Wie die Behörden auf die mutmaßliche Bande aufmerksam wurden, wollte der Sprecher aus „ermittlungstechnischen Gründen“ nicht sagen.

Beweismittel sichergestellt

Es seien umfangreiche Beweismittel sichergestellt worden, sagte der Sprecher. „Wir sind gut fündig geworden bislang.“ Der Verdacht habe sich weiter verdichtet. Neben den Wohnungen der Hauptbeschuldigten, wo diese verhaftet wurden, sind auch Räume in Charlottenburg-Wilmersdorf, Pankow, Neukölln, Spandau, Mitte und Tempelhof-Schöneberg durchsucht worden.

Zuletzt waren Fahnder in Berlin im Mai mit einer großen Razzia in Berlin und Brandenburg gegen eine deutsch-vietnamesische Bande von mutmaßlichen Menschenschleusern vorgegangen. Rund 20 Wohnungen waren durchsucht worden, drei Hauptverdächtige waren verhaftet worden.

Bereits Betrug mit Scheinehen aufgedeckt

Wegen des gleichen Verdachts gab es auch im März ebenfalls gegen eine deutsch-vietnamesische Bande eine Razzia der Polizei in Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Hessen. Im September 2017 hatte die Berliner Polizei einen größeren Betrug mit Scheinehen zwischen Männern aus Nigeria und Frauen aus Portugal aufgedeckt. (BLZ/dpa)