Die Razzia gegen zwei Tschetschenen-Gruppierungen am Mittwochmorgen in Berlin und Brandenburg geht auf blutige Revierkämpfe in der organisierten Kriminalität zurück. Das Berliner Landeskriminalamt ermittelt wegen gegenseitig gemeinschaftlich versuchten Totschlags.

Nach Informationen der Berliner Zeitung richten sich die Ermittlungen gegen zwei verfeindete tschetschenische Gruppen, die der Polizei unter den Namen „Vaynakhen“ und „Neu-Hohenschönhausen“ bekannt sind. Diese hatten sich am Abend des 2. August im Märkischen Viertel eine Schießerei geliefert. Dabei waren dabei zwei Männer verletzt worden. 

Weil die insgesamt 18 Beschuldigten - von denen 10 angetroffen wurden - als hochgefährlich eingestuft werden, zogen die Ermittler bei ihrer Razzia auch SEK-Beamte hinzu. In Berlin wurden 18 Wohnungen durchsucht und eine im brandenburgischen Fürstenwalde.

Die Durchsuchungen am Mittwoch fanden nach Informationen dieser Zeitung unter anderem bei dem 26-jährigen Hasu A., dem mutmaßlichen Anführer der Gruppe „Neu-Hohenschönhausen“, an der Biesenbrower Straße statt. Auch der 29-jährige Ruslan A., der Chef der Gruppe „Vaynakhen“ sein soll, bekam in seiner Wohnung an der Liebensteiner Straße in Marzahn Besuch von der Polizei.

Beide Seiten verwendeten mehrere Schusswaffen

Mitglieder beider verfeindeter Gruppierungen waren sich am späten Nachmittag des 1. August zufällig im Gesundbrunnen-Center begegnet. Es gab eine kurze Prügelei zwischen den Anführern Hasu A. und Ruslan A.

Gegen 21 Uhr trafen sich dann beide Gruppierungen im Schillerpark, wobei sich die Anführer erneut prügelten. Später kam es dann noch im Volkspark Rehberge zu einer Auseinandersetzung beider Gruppen. Ein Beteiligter erlitt schwere Kopfverletzungen.

Der Versuch, einen Schlichter einzuschalten, der zwischen beiden Gruppen vermitteln sollte, scheiterte. Am nächsten Tag  trafen die Gruppen dann zufällig vor dem tschetschenischen Kulturzentrum am Eichhorster Weg im Märkischen Viertel aufeinander. Dort kam es zu einem Schusswechsel, bei der ein 21- und 31-Jähriger verletzt wurden. Sie bekamen Projektile in der Hüfte beziehungsweise im Bein ab. Bei der Schießerei verwendeten beide Seiten mehrere Schusswaffen.

Bombenverdacht in Wohnung

Durchsucht wurden am Mittwoch auch Wohnungen in Lichtenberg und eine Flüchtlingsunterkunft in der Storkower Straße sowie Wohnungen in Reinickendorf, Moabit und Wedding. 

Nach Angaben eines Ermittlers kam bei den Fahndern kurzzeitig Unruhe auf, weil in einer Wohnung an der Vincent-van-Gogh-Straße in Neu-Hohenschönhausen ein bombenverdächtiger Gegenstand gefunden wurde. Sprengstoffexperten mussten hinzugezogen werden. Sie gaben Entwarnung.

Laut Polizei-Pressestelle stellten die Ermittler umfangreiches Beweismaterial, darunter unter anderem Mobiltelefone, Datenträger, Hieb- und Stichwaffen, Reizstoffsprühgeräte und geringe Mengen Betäubungsmittel sicher. Ein 27-Jähriger, dessen Wohnung am Wilhelmsruher Damm im Märkischen Viertel durchsucht wurde, wurde zur erkennungsdienstlichen Behandlung mitgenommen und danach wieder entlassen.