So etwas gab es in Berlin noch nie: Der Senat präsentiert seit diesem Dienstag eine genaue Auflistung der laufenden und geplanten Schulsanierungen sowie Schulneubauten. Detailliert sind die Maßnahmen an 750 Standorten aufgelistet – von neuen Fenstern bis zum Neubau. Für jeden einzelnen Standort können Bürger nun nachlesen, für wie viel Geld ein Gebäude saniert werden soll, aus welchen Töpfen das Geld kommt, wann mit der Baumaßnahme beginnt und wann sie abgeschlossen sein soll. Und wer dafür zuständig ist.

Von einem „Meilenstein“ sprach Bildungssenatorin Sandra Scheeres. Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (beide SPD) betonte, die Datensammlung werde permanent fortgeschrieben. Es seien erstmals auch die Summen vermerkt, die Schulen für den baulichen Unterhalt erhalten. Einzelne Bezirke wie Pankow hätten diese allerdings noch nicht geliefert. Der teuerste Sanierungsfall ist demnach die John-F.-Kennedy-Schule mit 41 Millionen Euro, für die die Berliner Immobilienmanagementgesellschaft verantwortlich ist. Die Schule gilt wie Dutzende andere in der Stadt als „Großschadensfall“. Schüler und Lehrer müssen sich aber noch gedulden. Baubeginn soll 2022, Fertigstellung 2027 sein.

Insgesamt stehen für die „Schulbau-Offensive“ des Senats in den nächsten zehn Jahren 5,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Kleinere Sanierungsmaßnahmen werden von den Bezirken ausgeführt, ab einer Bausumme von mindestens 5,5 Millionen Euro können die Bezirke den Senat um Amtshilfe bitten. Großsanierungsfälle ab einem Bauvolumen von 10 Millionen Euro werden entweder von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung oder von der Howoge übernommen. Beispielsweise übernimmt die Howoge die Sanierung des Primo-Levi-Gymnasiums in Weißensee, die mit 26,3 Millionen Euro veranschlagt wird und bis 2024 abgeschlossen sein soll.

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und die Howoge

Auch die 60 dringend benötigten Schulneubauten teilen sich die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und die Howoge, die 29 Neubauvorhaben übernimmt. Vor allem wird die Howoge die weiterführenden Schulen bauen. Der Senat will insgesamt 26 Grundschulen bauen. „Meist serielle Typen“, betonte Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke). Dafür wird es noch in diesem Jahr Ausschreibungen geben für 10 dreizügige und 12 vierzügige Grundschulbauten.

Diese Neubauprojekte sollen von einem Generalplaner realisiert werden. Mit den Arbeiten für die Neubauten kann wohl erst 2020 begonnen werden. Grünen-Fraktionsvorsitzende Silke Gebel sagte: „Wir fordern Senat, Hogowe und Bezirke auf, die Sanierungen schnellstmöglich anzugehen und abzuschließen.“ Gut sei es, dass nun ein umfassender Bericht vorliege. „Entscheidend dabei ist, dass keine Änderungen nach dem ’Redaktionsschluss’ für die Planungsunterlagen mehr erfolgen“, ergänzte Grünen-Bauexperte.

Die Schulbauten müssen zu Zentren im Quartier entwickelt werden und auch entsprechende schulergänzende Nutzungen aufnehmen. Norman Heise, der Vorsitzende des Landeselternausschusses, kritisierte, es sei unklar, wie die zeitliche Reihenfolge der verschiedenen Baumaßnahmen zustande gekommen sei. „Insgesamt wünschen wir uns mehr Erkenntnisse und präzise Informationen über den Verfahrensweg vom Gebäudesanierungs-Scan hin zum Schulbaufahrplan“, sagte Heise. 

Eine detailierte Auflistung nach Bezirken und Projekten finden Sie hier: Maßnahmen und Finanzen