Berlin - Erstmals in der Geschichte Berlins gibt es einen genauen Überblick über laufende und geplante Schulsanierungen sowie Schulneubauten. Der Senat legte die umfangreiche Datensammlung, die auf Zuarbeiten der Bezirke beruht, am Dienstag vor. Detailliert aufgelistet sind dort Maßnahmen an 750 Schulen - von neuen Fenstern bis zum kompletten Neubau.

Unterlegt ist das ganze mit den voraussichtlichen Kosten, dem Baubeginn und der Dauer der Arbeiten sowie der zuständigen Behörde. Auch Angaben zur Schülerzahl an der fraglichen Schule und deren Entwicklung in der Zukunft finden sich in dem Zahlenwerk.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) nannte die Datensammlung, die online einsehbar ist und in den kommenden Jahren permanent weiterentwickelt werden soll, eine „Meilenstein”. „Dass wir ein solches Dokument haben, das gab es noch nie.”

Es handele sich um ein wichtiges Controlling-Instrument. Scheeres zeigte sich überzeugt, dass die Datensammlung hilfreich dabei ist, den Fortgang der 2017 von Rot-Rot-Grün ausgerufenen sogenannten Schulbauoffensive zu beschleunigen.

Der Berliner Senat will innerhalb von zehn Jahren 5,5 Milliarden Euro in Schulsanierung und -neubau stecken. Unter anderem sollen 60 neue Schulen entstehen, die die wachsende Stadt dringend braucht. Die ersten zehn - sogenannte Schnellbauschulen - sind bereits in der Umsetzung, wie Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) informierte. Planungen für weitere 22 Grundschulen ab 2020 hätten begonnen.

Allerdings drängt auch die Sanierung, weil viele Schulen in einem maroden Zustand sind. Teuerstes Projekt ist laut Übersicht die John-F.-Kennedy-Schule in Zehlendorf, deren Erneuerung 41,6 Millionen Euro kosten soll. Die Schule gilt wie Dutzende andere in der Stadt als „Großschadensfall”. Schüler und Lehrer müssen sich aber noch gedulden. Baubeginn soll 2022, Fertigstellung 2027 sein.

Die Zuständigkeiten im Rahmen der Schulbauoffensive sind unterschiedlich geregelt. Grundsätzlich sind die Bezirke Aufgabenträger, große Neubau- und Sanierungsprojekte übernehmen das Land Berlin über die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sowie die landeseigene Wohnungsgesellschaft Howoge. Das Geld für die Vorhaben kommt aus unterschiedlichen Programmen, die privatwirtschaftlich organisierte Howoge soll auch Kredite aufnehmen können.

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Silke Gebel erklärte, ihre Partei sei „sehr ungeduldig”. „Viele Schulen sind in einem schlechten Zustand, weil sich in den vergangenen Jahrzehnten ein riesiger Sanierungsstau gebildet hat.” Die Schüler hätten bessere Schulen verdient, daher sei es gut, dass nun der Sanierungsbedarf für alle Schulgebäude vorliege. „Wir fordern Senat, Howoge und Bezirke auf, die Sanierungen schnellstmöglich anzugehen und abzuschließen”, so Gebel. (dpa/bb)