Berlin - Gerade in der Weihnachtszeit denken viele Berliner an die Menschen, die sich kein besinnliches Fest leisten können. Eine Umfrage unter den Wohlfahrtsverbänden zeigt, dass die Nächstenliebe der Berliner eine Woche vor Weihnachten groß ist. Die Hilfsbereitschaft der Berliner bewegt sich nach Einschätzung der Befragten  auf dem hohen Niveau des Vorjahres.

Von den zahlreichen Spenden profitiert besonders das Deutsche Rote Kreuz (DRK). Die Sprecherin des DRK, Regina Radke, betont, dass das Spendenaufkommen zum Jahresende am höchsten sei. Obwohl der Bundesverband im laufenden Jahr für ganz Deutschland  einen Rückgang der Spenden für Syrien beklagte, bleibt die Spendebereitschaft der Berliner gleichbleibend hoch, sagt Thomas Gleißner von der Caritas Berlin.

Besonders viele Spenden erreichen den Kältebus der Berliner Stadtmission. An der Berliner Stadtmission, die Obdachlosen in der kalten Jahreszeit mit Beratung, warmer Kleidung und Notunterkünften zur Seite steht, sind zahlreiche Berliner Hilfsorganisationen beteiligt.

Viele Spenden gehen an den Kältebus und an das Lageso

Auch das Lageso sammelt traditionell mit einer Weihnachtsaktion für die Kältehilfe aus dem Bus. Silvia Kostner organisierte die Sammlung in diesem Jahr und freut sich über die vielen Hilfsangebote und die Großzügigkeit der Berliner: „Die Hilfsbereitschaft der Berliner ist riesig.“

Neben den Berlinern sind auch die Brandenburger in Spenderlaune. Es wird für Obdachlose, Hilfsprojekte in Afrika oder die Kirche vor Ort gespendet. Denn gerade in der Weihnachtszeit sitzt das Geld bei vielen Brandenburgern etwas lockerer. „Die Bereitschaft der Gottesdienst- und anderen Besucher ist vergleichsweise hoch, ein Projekt, das sie überzeugt, mit einer Spende zu unterstützen“, sagte eine Sprecherin der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

Spendebereitschaft auf dem Niveau von 2015

Durchschnittlich flössen im Laufe eines Jahres 3,6 Millionen Euro an Spenden in gemeindeübergreifende Aufgaben und Projekte. Ein Teil des Geldes kommt dem Hilfswerk „Brot für die Welt“ zugute. 2015 seien mehr als drei Millionen Euro Spendengelder aus Berlin und Brandenburg zusammengekommen, sagte eine Sprecherin. Gegenüber 2014 sei das ein Plus von mehr als einer halben Million Euro gewesen.

„Im Flüchtlingsbereich lassen die Spenden allerdings nach“, bedauerte Thomas Gleißner, Verbandssprecher für das katholische Erzbistum Berlin. Die Spenden kämen Projekten wie dem Caritas-Arztmobil oder Kinderhospizen zugute.

Egal, ob für regionale Projekte oder für Hilfe im Ausland, Berliner und Brandenburger zeigen dieses Jahr besonders viel Nächstenliebe. Aber es gibt  auch Kriminelle, die die Großzügigkeit der Bürger ausnutzen, unter dem Deckmantel bekannter Organisationen. „Leider wird die Spendenbereitschaft ab und zu von Kriminellen missbraucht, die sich als Caritas-Mitarbeiter ausgeben“, berichtete Gleißner.

Kriminelle versuchen die Großzügigkeit auszunutzen

In solchen Fällen erstatte der Verband umgehend Strafanzeige. Die Spendensammler der Caritas hätten in der Regel einen Sammlerausweis. Auch Unicef berichtet von Fällen, in denen der Name des Kinderhilfswerks missbraucht wurde. „Brot für die Welt“ schickt grundsätzlich keine Vertreter zum Spendensammeln. „Wenn es so einen Fall gäbe, würden wir rechtliche Schritte einleiten“, erklärte die Sprecherin.

Vor einer Geldzahlung sollten sich Spendenfreudige also ausführlich über die jeweilige Organisation informieren - unabhängig davon, ob es sich um Spendensammler auf der Straße, an der Haustür, am Telefon, in Internetportalen oder Social-Media-Kanälen handelt. Immer wieder versuchen unseriöse Gruppierungen, Menschen für eine Fördermitgliedschaft über einen längeren Zeitraum zu werben oder ihnen gar Aboverträge unterzuschieben.

Damit wirklich die Bedürftigen von den Spenden profitieren, lohnt es sich, die jeweilige Organisation gernauer unter die Lupe zu nehmen. Das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen kann als Orientierung dienen. (BLZ/dpa)