Grüne Liga: Preisgekrönte Großstadtpflanzen

Früher war es dort trist und grau. Das Parkdeck der Neukölln Arcaden an der Karl-Marx-Straße war eine asphaltierte Fläche, hässlich und wenig genutzt. Doch seit Sommer ist alles anders: Im sogenannten Kulturdachgarten „Klunkerkranich“ wachsen Beeren, Kürbisse und Zucchini in Hochbeeten. Besucher können an einer Bar etwas trinken und sich dabei einen Bienenschaukasten ansehen oder herausfinden, wie man eine Wurmkiste baut. Selbst jetzt, im November, ruht die Arbeit noch nicht. „Wir haben Frühlingsblüher gesteckt und gerade den Garten winterfest gemacht“, erzählt Sven Benthin von dem Neuköllner Projekt.

So viel Engagement wird nun belohnt. Der „Klunkerkranich“ ist einer der Gewinner des Hofwettbewerbs „Kraut und Rüben im Kiez“ der Grünen Liga Berlin. Das Netzwerk von Öko-Initiativen will so zusammen mit Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Initiativen für mehr Grün in der Stadt würdigen und zugleich zur Nachahmung anregen. Eine Jury vergab Preise in insgesamt fünf Kategorien. Sie werden am heutigen Freitag überreicht. Die Sieger erhalten Geldpreise beziehungsweise Gutscheine im Gesamtwert von rund 5000 Euro.

And the winner is ...

Der „Klunkerkranich“ bekommt den 1. Preis in der Kategorie „Gemeinschaftsdachgärten“. Sven Benthin freut sich darüber. Denn die Initiatoren, die auch die Neuköllner Kneipe „Fuchs und Elster“ betreiben, haben noch viel vor. Beispielsweise soll die schon gebaute Überdachung einen Wintergarten bekommen, damit auch zur kalten Jahreszeit das ehemalige Parkdeck für Nachbarschaftsworkshops und Ähnliches genutzt werden kann.

In der Kategorie „Hof“ zeichnet die Jury den Generationengarten in der Neuen Jakobstraße 30 in Mitte aus. Hier bewirtschaften Senioren, die in der Berolina-Siedlung wohnen, gemeinsam mit Kindern von zwei benachbarten Kitas einen Garten. Auch jüngere Erwachsene sind mittlerweile hinzugestoßen. Alle zusammen bauen Gemüse an, nach der Ernte wird gemeinsam gekocht.

Dass schon die Jüngsten lernen, dass Gemüse nicht einfach aus dem Supermarkt kommt, wird mit den Wettbewerbskategorien „Schulgärten“ und dem Kindersonderpreis besonders gewürdigt. Die 1. Preise gehen an die Grundschule an der Marie (Prenzlauer Berg), wo Lehrer und Schüler ihren Schulhof mit Gemüsebeeten und Beerensträuchern neu gestaltet haben, und an die Kita Fürstenberger Straße (Mitte). Dort bauten Erzieher und Kinder Blumenkästen aus Paletten und pflanzten Gemüse an. Außerdem gibt es einen Raupengarten, wo Kinder beobachten können, wie sich Raupen in Schmetterlinge verwandeln.

„Vertikaler Gemeinschaftsgarten“

Wie man selbst auf kleinstem Raum die Stadt zum Blühen bringen kann, zeigt ein Kreuzberger Projekt: der Zaungarten am Mehringplatz, Gewinner in der Kategorie „Urbane Gärten/Straßengrün“. Die Initiatorinnen Anja Fiedler und Aino Stratemann befestigten Pflanzbehälter an einem Bauzaun und verwandelten ihn so in einen „vertikalen Gemeinschaftsgarten.“ Anwohner können hier Kräuter, Gurken und Tomaten pflanzen. Anja Fiedler, Kulturmanagerin von der Initiative „Stadt macht satt“, brachte die Idee von einer Taiwan-Reise mit. Es sei ihr wichtig zu zeigen, „dass man mit wenig Mitteln die Wohnqualität verbessern kann“, sagt sie. Im Kiez kommt die Idee offenbar an. Bisher, so Anja Fiedler, gab es noch keinen Vandalismus.