Es gibt aber nicht nur Donald Trump. Auch in kommunalen Niederungen ringen Politiker um originelle Ratschlüsse: Berlin-Lichtenberg. 280.000 Insassen. Ich gehöre dazu. Die Bezirksverordnetenversammlung hat sich eine neue Geschäftsordnung geschenkt. Das Papier könnte den Ablauf von Parlamentsdebatten, Proktologenkongressen, Unterrichtsstunden und Elternversammlungen revolutionieren.

Unter § 26 heißt es: „In der weiteren Aussprache erteilt der/die Sitzungsleiter/in das Wort abwechselnd an eine Frau und einen Mann in der Reihenfolge der Wortmeldungen.“

In der voremanzipatorischen Steinzeit kam zuerst an die Reihe, wer flugs den Arm hob oder streberhaft mit den Fingern schnipste. Das Geschlecht war egal. Jetzt gelangt, wer sich zuletzt rührt, schon mal auf die Pole Position. Weil er/sie ein/e Frau/Mann ist.

Im Lichtenberger Parlament werden Frauen nicht diskriminiert

Es handelt sich – muss ich das erwähnen? – um einen grünen Gedanken. SPD und Linke schlossen sich an. Im Lokalanzeiger begründete eine junge Bezirksverordnete den Gleichstellungsbedarf mit „männlicher Dominanz“. Es gebe keinen ausgeglichenen Anteil an Wortmeldungen von Männern und Frauen.

Nun, das könnte damit zu tun haben, dass im Gremium 32 Männer und 23 Frauen wirken. Der/die/das Wähler*in wollte es so. Er/sie/es ist ein/e sexistische/r Drecksack*in. Im Lichtenberger Parlament werden jedenfalls Frauen nirgends gehindert, sich zu äußern. Es gibt dort keine Schilder: „Muttis gehören nicht ans Mikrofon, sondern in die Teeküche.“

Die Rednerquotenaktivistin argumentiert, dass Frauen in Debatten zurückhaltender seien. Weiß ich nicht. Mir wäre das Wort Zurückhaltung angesichts der Grüninnen Künast, Peter, Roth und Göring-Eckardt nicht sofort eingefallen. Weiter heißt es, Frauen würden tendenziell schweigen, weil sie dächten: „Da ist schon alles gesagt worden.“ Ist das so?

Die neue Geschäftsordnung ist beschlossen, liegt aber auf Eis

Wenn, dann würde das Frauen turmhoch über männliche Wichtigmacker erheben. Sie verdienten den Dank aller Nachtsitzungsteilnehmer, die ein richtiges Zuhause haben. Doch statt nun Schwätzer und Redundanzkörper ungeachtet ihres Sexus’ zu knebeln oder in schalldichte Nebengelasse zu verbringen, spielt die Gendergerechtigkeitsliga Kindergarten.

Das ist nicht nur alberner Unfug, sondern auch alberner, frauenverachtender Unfug. Ich glaube an die Frauen. Wenn sie schüchtern sind, werden sie das überwinden. Ich habe es auch geschafft.

Die neue Geschäftsordnung ist beschlossen, liegt aber auf Eis. Die Bezirksaufsicht zweifelt, ob § 26 rechtmäßig ist. Keine Ahnung, inwieweit die Einwände der Behörde auf läppischen Vernunftgründen beruhen oder ob die Regelung noch nicht weit genug geht.

Ich schließe nichts aus

Schließlich könnte man ja nicht nur zwei biologische, sondern bis zu 60 soziale Geschlechter berücksichtigen. Außerdem haben nicht nur Frauen Sprechhemmungen, sondern erst recht Stotterer, Adipöse oder Mitbürger mit himbeerfarbenen Kartoffelnasen.

Vielleicht braucht es einen Zusatzartikel, wonach jeder zehnte Redner einen enormen Pickel mit gelbem Gipfel auf der Stirn haben sollte. Zur Erstellung diskriminierungsfreier Rednerlisten würde dann wohl ein spezielles Rechenzentrum benötigt. Ich schließe nichts aus. Solche Einfälle sind das Erfolgsgeheimnis der Grünen.