Berlin In Zusammenhang mit dem Einbruch in das Historische Grüne Gewölbe meldet die Dresdner Staatsanwaltschaft eine weitere Festnahme. Zielfahnder des Bundeskriminalamtes nahmen den 21-jährigen Mohamed Remmo am Montagabend in Neukölln fest, nach ihm wurde öffentlich gefahndet.

Die Fahnder hatten ihn, zusammen mit Beamten des Berliner Landeskriminalamtes, zuvor observiert. Um 19.21 Uhr konnten sie den Mann in der Jahnstraße festnehmen, als er gerade in ein Auto steigen wollte. Der 21-Jährige wurde am Dienstag nach Dresden gebracht und dort einem Ermittlungsrichter zum Erlass eines Haftbefehls vorgeführt. Sein Zwillingsbruder, der 21-jährige Abdul Majed Remmo, der ebenfalls dringend verdächtig ist, an dem Einbruch beteiligt zu sein, ist noch immer auf der Flucht. „Nach ihm wird weiterhin mit Hochdruck und auch öffentlich gefahndet“, sagte Oberstaatsanwalt Jürgen Schmidt, Sprecher der Staatsanwaltschaft Dresden. Was Mohammed Remmo in Neukölln machte, dazu wollte Schmidt keine Angaben machen.

Die Staatsanwaltschaft Dresden wirft ihnen und weiteren drei bereits Verhafteten, die ebenfalls zum Remmo-Clan gehören sollen, schweren Bandendiebstahl und Brandstiftung vor. Sie sollen am 25. November vergangenen Jahres in die historische Schatzkammer eingebrochen sein. Die Täter zerschlugen im Juwelenzimmer mehrere Vitrinen: die Vitrine mit der Diamantrosengarnitur, die mit der Brillantgarnitur und die mit dem Diamantschmuck und den Perlen der Königinnen. Die Diamanten hatten verschiedene Schliffformen und waren zum größten Teil von August dem Starken und August III. erworben worden. Unter den gestohlenen Stücken waren insgesamt 13 mit Diamanten und Brillanten besetzte Werke, darunter eine Epaulette und ein Bruststern des Polnischen Ordens des Weißen Adlers, die Große Brustschleife und ein Brillantcollier der Königin Amalie Auguste. Gestohlen wurden auch zehn Rockknöpfe.

Einen Fluchtwagen setzten die Täter in Brand, um ihre Spuren zu verwischen. Doch das reichte nicht. Die Ermittler kamen trotzdem über DNA-Spuren und den Fluchtwagen, der wie ein Taxi getarnt war, auf die Verdächtigen. Am 17. November konnte die Polizei bei einem Großeinsatz in Berlin drei Tatverdächtige im Alter zwischen 23 und 26 Jahren festnehmen, die zum Remmo-Clan gehören. Einige Angehörige dieses Clans sind polizeibekannt. Auch für den Diebstahl einer 100-Kilogramm-Goldmünze aus dem Bode-Museum wurden mehrere Familienmitglieder verurteilt, darunter ein 21-Jähriger, der zu den Beschuldigten vom Grünen Gewölbe zählt und am 17. November noch immer auf freiem Fuß war, weil er seine Haftstrafe für den Gold-Diebstahl noch nicht hatte antreten müssen.

Bei dem Einsatz im November hatten schwer bewaffnete Spezialeinsatzkommandos mehrere Wohnungen des Remmo-Clans in Kreuzberg, Wedding und Neukölln gestürmt. An dem Einsatz waren mehr als 1600 Beamte beteiligt. Die aus mehreren Bundesländern zusammengezogenen Polizisten durchsuchten 18 Objekte, darunter zehn Wohnungen sowie Garagen und Fahrzeuge. Mohamed Remmo und sein Zwillingsbruder Abdul Majed konnten vor den Polizisten flüchten, obwohl sie schon länger von den Fahndern observiert wurden.

Nach dem Einbruch gründete die Dresdner Polizei eine 40 Mitarbeiter starke „Sonderkommission Epaulette“. Diese sammelt unter anderem Hinweise darauf, ob die Beute irgendwo auftaucht. Sie war allerdings bislang nicht zielführend. Die Polizei setzte eine Belohnung in Höhe von 500.000 Euro aus für Hinweise, die zur Wiederbeschaffung des Diebesgutes führen – bislang vergeblich. „Von der Beute ist bis heute nichts aufgetaucht. Wir haben auch keine heiße Spur“, sagte Oberstaatsanwalt Schmidt.

Das Diebesgut wurde über Interpol auf der internationalen Fahndungsseite „Stolen Works of Art Database“ eingestellt. Die gestohlenen Stücke können außerdem auf der Internetseite des Bundeskriminalamtes angesehen werden. Die Diamantrosengarnituren, der Hutschmuck und der Brillantschmuck lassen sich deshalb nicht einfach zu Geld machen. Sie sind in ihrer Form Unikate, Polizei und Medien haben sie so bekannt gemacht, dass Händler alarmiert würden, wenn sie ihnen zum Verkauf angeboten würden.

Die fünf Verhafteten haben zurzeit ohnehin ganz andere Sorgen: Sie und ihre Verwandten hätten „panische Angst“ davor, in Sachsen ins Gefängnis zu kommen, heißt es aus ihrem Umfeld. „Weil da alle so ausländerfeindlich sind.“