Berlin - Viele Jahre wurde über dieses Thema diskutiert. Wenn künftig S-Bahnen durch den Moabiter Nordosten und an der Europacity vorbeifahren – warum können sie nicht auch dort halten? Nun ist klar, dass an der Perleberger Brücke ein S-Bahnhof gebaut wird, der voraussichtlich 2026 eröffnet wird. Letzte Details wurden geklärt, Aufträge erteilt, teilte Staatssekretär Markus Kamrad dem Moabiter Grünen-Abgeordneten  Taylan Kurt auf seine Anfrage hin mit. „Das freut mich sehr“, sagte Kurt. „Wir freuen uns auch“, so der Berliner Fahrgastverband IGEB. Viele Menschen werden profitieren.

S21: So lautete einst der Arbeitstitel für die geplante zweite Nord-Süd-Strecke der Berliner S-Bahn. Weil das Kürzel zu sehr an das Pannenprojekt Stuttgart 21 erinnert, suchte und fand die Deutsche Bahn einen neuen Namen: City-S-Bahn. Ansonsten hat sich an dem Vorhaben nichts geändert.

27.000 Fahrgäste am Tag erwartet

Im ersten Bauabschnitt entsteht derzeit eine Verbindung von Wedding zum Hauptbahnhof. Dort soll ab Dezember die neue S15 zwischen Gesundbrunnen und einem provisorischen Tunnelbahnhof nördlich der Invalidenstraße pendeln. 2026 soll ein weiterer Bauabschnitt der Neubautrasse, die auf dem Plan wie ein Ypsilon aussieht, fertig sein. Dieser Streckenast zweigt am Westhafen vom Nordring ab und schließt später an die dann bestehende Strecke an. Dort soll sich die S46 aus Königs Wusterhausen/Westend einfädeln. Auch eine Verbindung vom geplanten Campus Siemensstadt 2.0 zum Hauptbahnhof ist denkbar.

Bislang war zwischen Ring und Hauptbahnhof kein Zwischenhalt geplant. Forderungen, an der Perleberger Brücke einen S-Bahnhof zu errichten, wurden kritisch gesehen. Zum einen wäre dieses Projekt ziemlich kostspielig. Die beiden Streckenäste führen über die Brücke hinweg, sie müssten mit aufwändigen Zugangsbauwerken ausgestattet werden. In Richtung Wedding wurde bereits Vorsorge für zwei Außenbahnsteige getroffen, am anderen Ast ist ein Bahnsteig zwischen den Gleisen vorgesehen. Zum anderen stellte sich die Frage nach dem Bedarf. Werde die Station wirklich benötigt? Nein, hieß es 2005. Doch inzwischen wurde im Moabiter Osten und entlang der Heidestraße viel gebaut.

Für 2030 werde am S-Bahnhof Perleberger Brücke mit rund 27.000 Fahrgästen pro Tag gerechnet, so Staatssekretär Kamrad. Knapp die Hälfte der Reisenden seien Umsteiger vom und zum Bus. Inzwischen konnten die bislang offenen Punkte der Nutzen-Kosten-Analyse Ende des vergangenen Jahres geklärt werden, teilte der Grünen-Politiker weiter mit. „Das Ergebnis gibt einen positiven Wert für die Umsetzung der Maßnahme an.“ Inzwischen seien mit der Bahn eine Finanzierungsvereinbarung über die ersten vier Leistungsphasen und ein Planungsvertrag abgeschlossen worden. Nach vorliegendem Baurecht könne „nahtlos“ mit dem Bau begonnen werden.