Nach Großbrand bei Tesla: Anwohner fordern sofortigen Stopp der Produktion

Im Tesla-Werk brannten 800 Kubikmeter Pappe. Kritiker vermuten, dass Löschwasser im Boden versickerte. Sie sehen Gefahr für das Grundwasser.

Grünheide: Rauchwolken steigen bei einem Brand auf dem Gelände der Gigafactory von Tesla in den Himmel, die Feuerwehr ist im Einsatz.
Grünheide: Rauchwolken steigen bei einem Brand auf dem Gelände der Gigafactory von Tesla in den Himmel, die Feuerwehr ist im Einsatz.dpa/Patrick Pleul

Nach dem Großbrand am Montagmorgen im Tesla-Werk in Grünheide (Oder-Spree) haben drei Bürgerinitiativen schnelle Konsequenzen gefordert. „Die Bürgerinitiative Grünheide und der Verein Natur und Landschaft Brandenburg fordert den sofortigen Produktionsstopp der Gigafactory Grünheide“, sagte Sprecherin Manu Hoyer der Berliner Zeitung. Auslöser ist ein Feuer, das am Montagmorgen gegen 3.30 Uhr auf dem Gelände des ersten europäischen Tesla-Werks ausgebrochen ist. Der Brand an einer Recylinganlage im Werk konnte nach vier Stunden von etwa 50 Feuerwehrleuten unter Kontrolle gebracht werden.

Die Initiativen weisen darauf hin, dass es nicht der erste Brand dort ist. „Dieses Ereignis reiht sich ein in eine Vielzahl von Vorfällen die eine Gefährdung des Grundwassers im Wasserschutzgebiet darstellen“, sagte Manu Hoyer. Es gebe ein Drohnen-Video, das zeige, dass dort wohl Massen an Löschwasser im Boden versickern. Hoyer: „Wir hoffen, dass nach den Löscharbeiten keine Schadstoffe ins Grundwasser gelangen.“

In dem Video ist klar zu sehen, dass die Pappberge nicht in einer Lagerhalle oder einer Betonwanne gelagert waren und so besser davor geschützt sind, dass Gefahrstoffe in den Boden gelangen. Es sieht so aus, als lagen die Berge auf einem befestigten Areal, aber gleich neben unbefestigtem Gelände. „Die umweltrechtlichen Maßnahmen sind dort nicht erfolgt“, sagte Hoyer. „Das ist alles nur Stückwerk.“

Ein Sprecher der Polizeidirektion Ost sagte der Berliner Zeitung, dass sowohl die Werksfeuerwehr von Tesla vor Ort den Brand löschte als auch einige freiwillige Feuerwehren aus den umliegenden Gemeinden. „Dort brannten etwa 800 Kubikmeter Pappe, die dort aufgeschichtet waren“, sagte der Sprecher. Gebäude oder Menschen seien von dem Feuer nicht gefährdet gewesen. Nun würden Brandexperten der Feuerwehr die Brandursache ermitteln.

Probleme mit dem Grundwasser

Die Bürgerinitiativen begründen ihre Forderung nach einem Produktionsstopp auch mit eigenen Erfahrungen nach einem Besuch auf dem Werksgelände, das sich direkt neben dem östlichen Berliner Ring befindet. Dort waren die Mitglieder am Sonntag, also kurz vor dem Brand. „Sie mussten dabei feststellen, dass trotz laufender Produktion wesentliche Maßnahmen zum Schutz des Grundwasserleiters nicht umgesetzt wurden“, teilten die Initiativen mit. Gemeint ist, dass in einem Katastrophenfall giftige Chemikalien ins Grundwasser gelangen könnten. Deshalb fordern sie den sofortigen Stopp der Produktion, die Aufarbeitung der Vorkommnisse und Umsetzung aller Maßnahmen zum Schutz des Grundwassers.

Die Initiativen kritisieren nicht nur Tesla, sondern auch die Landesregierung. „Nur durch ihren massiven Druck auf die entsprechenden Fachbehörden, insbesondere die untere Wasserbehörde, war es möglich, dass Tesla so frühzeitig ohne ausreichende Schutzvorkehrungen mit der Produktion beginnen konnte“, heißt es in der Stellungnahme. „Die SPD geführte Landesregierung verhökert unser Land zu Gunsten von Profitinteressen von Großkonzernen.“

Die Wassertafel Berlin-Brandenburg erinnerte daran, dass sich die Gigafactory zum großen Teil in einem Trinkwasserschutzgebiet befindet. „In dem Genehmigungsverfahren, welches die Behörden eiligst und kritiklos durchgewunken haben, wurde klar, dass Tesla auf Störfälle unzureichend vorbereitet ist“, heißt es. Auch fehle eine echten Werksfeuerwehr, deshalb hätten nun die Ortsfeuerwehren einen Großteil der Löscharbeiten übernehmen müssen. „Die Wassertafel Berlin-Brandenburg fordert zum Schutz des Trinkwassers eine sofortige Betriebsunterbrechung bei Tesla bis zur Klärung und Behebung der Störfallursachen“, heißt es. Dazu die  Einleitung eines Genehmigungsverfahrens, das diesen Namen verdiene.

Das Bürgerbündnis in der Gemeindevertretersitzung hat nun beantragt, dass der Brand und die Notfallpläne in der nächsten Gemeindevertretersitzung auf die Tagesordnung kommen.