Berlin - Nun also doch. Die erste europäische Fabrik des US-Elektroautobauers Tesla soll erweitert werden. Der Konzern des Milliardärs Elon Musk hat dazu einen entsprechenden Brief an den Bürgermeister der Gemeinde Grünheide (Oder-Spree) geschrieben und will 110 Hektar dazubekommen.

Der Verein für Natur und Landschaft in Brandenburg und die Bürgerinitiative Grünheide fordern nun die Gemeindevertreter auf, den „Aufstellungsbeschluss“ abzulehnen und die Umweltzerstörung zu stoppen. In einem offenen Brief heißt es: „Stoppt Tesla – Rettet den Wald!“

Die Kritiker beziehen sich auf einen Brief von Tesla an den Grünheider Bürgermeister vom 17. Mai. Dort bedankt sich der Konzern für die Unterstützung bei der Ansiedlung. Dort heißt es auch, dass es inzwischen im Werk 4000 neue Arbeitsplätze gibt und 145 Ausbildungs- und Studienplätze.

Nun beantragt Tesla die „Aufstellung eines neuen Bebauungsplans für die östlich an das Tesla-Anlagengrundstück angrenzenden Flächen“. Dort steht derzeit Wald. Dort soll die Bahnanbindung des Werks erfolgen. Die solle optimiert und „überplant“ werden.

Vor Jahren hat Tesla ein Grundstück mit 300 Hektar gekauft. Dort stand zwar ein Kiefernforst, aber es gab seit Langem einen Bebauungsplan zur gewerblichen Nutzung. Ursprünglich wollte dort vor 20 Jahren ein deutscher Autobauer ein Werk errichten, entschied sich aber anders. Wegen des fertigen B-Plans durfte Tesla den Wald roden und bauen. Nun sollen daneben 170 Hektar dazukommen, davon sind aber 110 Hektar „unbeplant“. Das heißt: Es ist einfach nur Natur, in diesem Falle Wald, für den es keine Bebauungspläne gibt.

Dies sei nach Ansicht der Kritiker der entscheidende Unterschied. Für alte Grundstücke gab es Pläne, für das neue nicht. Das neue Areal an Tesla abzutreten, sei aus Sicht der Gegner nur dann zulässig, „wenn öffentliche Belange nicht beeinträchtigt werden“. Doch dies sei hier der Fall, weil „Belange des Naturschutzes und der Landschaftspflege, des Bodenschutzes, des Denkmalschutzes“ beeinträchtigt werden würden. „Das würde bei Umsetzung des Vorhabens zweifelsfrei geschehen“, heißt es. Denn dort wird vom Landesbetrieb Forst seit den 1990er-Jahren erfolgreich der Waldumbau betrieben.

Tesla will das Areal als „Industrie-, Logistik, und Vertriebsstandort“ nutzen. Neben der Verkehrsanbindung sollen dort auch Schulungsgebäude und ähnliche gebaut werden. Tesla weist – wegen der massiven Kritik beim Wasserverbrauch – darauf hin, dass dieser durch die Erweiterung nicht wesentlich steigen werde.

Das Wasser ist ein Hauptkritikpunkt. Da das Werk zu großen Teilen in einem Trinkwasserschutzgebiet steht und so viel Wasser benötigt wie eine Kleinstadt. Doch der regionale Wasserverband hat schon jetzt Schwierigkeiten, die Versorgung des neuen Werks und der Bevölkerung sicherzustellen.