Berlin - Was Radfahrer freut, ärgert Fußgänger. An fünf Kreuzungen will der Senat Grünpfeile, die nur für Radfahrer gelten, erproben. Doch das stößt bei der Fußgängerlobby auf Kritik. „Die Zahl der Konflikte wird steigen“, warnte Stefan Lieb, Geschäftsführer des Fachverbands Fußverkehr Deutschland (FUSS).

Der Grünpfeil erlaubt es, bei Rot rechts abzubiegen – wenn man kurz angehalten hat und niemand gefährdet wird. Wie berichtet wird bis Ende 2019 in neun Städten eine Version erprobt, die nur Radfahrer privilegiert. 2020 will das Verkehrsministerium entscheiden, ob der Radlerpfeil Teil der Straßenverkehrsordnung wird.

Grünpfeile sollen im ersten Quartal 2019 kommen

„Berlin hatte sich um Teilnahme an diesem Pilotprojekt des Bundes bemüht, wurde aber nicht berücksichtigt“, sagte Jan Thomsen, Sprecher der Senatsverkehrsverwaltung. Rot-Rot-Grün habe aber im Koalitionsvertrag verabredet, dass der Grünpfeil für Radfahrer auch hier getestet wird. „Daher wird Berlin parallel zum Projekt der Bundesanstalt für Straßenwesen und zu den gleichen Rahmenbedingungen einen eigenen Pilotversuch starten. Wir halten es für sehr sinnvoll, dieses Verkehrszeichen zu testen.“

Auf Empfehlung der Verkehrslenkung Berlin wurden fünf Kreuzungen ausgewählt:

Die fünf Grünpfeile sollen im ersten Quartal 2019, möglichst im Februar angebracht werden, hieß es. Im Januar 2020 soll die PTV, die auch Auftragnehmer der Bundesanstalt für Straßenwesen ist, den Schlussbericht vorlegen.

2018 hatte die PTV das Verkehrsaufkommen an den fünf Knotenpunkten erfasst. „Unter Wahrung des Datenschutzes, versteht sich“, sagte Jan Thomsen. „Solche Erhebungen werden im Zeitraum Mai bis Juli 2019 an den gleichen Stellen durchgeführt und können dann verglichen werden. Der Datenschutz wird gewährleistet, indem die Videoaufnahmen in geringer Qualität aufgenommen und die Kameras hoch aufgehängt werden. Gesichter und Kennzeichen sind in der gewählten Auflösung nicht erkennbar.“

60 Grünpfeile, die für alle Fahrzeuge gelten

Radfahren werde attraktiver, die Polizei entlastet, lobte Nikolas Linck vom Allgemeinen Deutsche Fahrrad-Club sagte er. Dagegen bezweifelte FUSS-Sprecher Lieb, dass jeder Radfahrer wie gefordert vor dem Abbiegen auf Fußgänger achtet. Unfälle drohten. „Der Grünpfeil ist dem Fußverkehr abträglich“, meinte Lieb.

Die Zahl der Grünpfeile in Berlin, die für alle Fahrzeuge gelten, wurde in den vergangenen Jahren auf rund ein Drittel reduziert. 60 Verkehrszeichen dieser Art gab es im Herbst, ihre Zahl habe sich seither nicht verändert, so Thomsen. „Es ist zwar nicht grundsätzlich vorgesehen, alle Grünpfeilschilder zu entfernen. Allerdings ist noch zu klären, wie die Rechtsabbieger-Problematik per Grünpfeil ins und zum Fußverkehrskonzept passt, das in Erarbeitung ist.“