BerlinLange wurde gestritten, jetzt ist es beschlossen: An der Karl-Marx-Allee fallen alle Parkplätze auf dem zehn Meter breiten Mittelstreifen weg. Stattdessen wird der von Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) favorisierte Grünstreifen angelegt. Das haben die Verkehrsverwaltung und das Bezirksamt Mitte den Anwohnern in einem Infoschreiben mitgeteilt. 

Der laufende Umbau der Karl-Marx-Allee zwischen Otto-Braun-Straße und Strausberger Platz werde nach zweijähriger Bauzeit im Spätsommer abgeschlossen sein. Ob es zur Errichtung des Grünstreifens kommen wird,  war lange Zeit unklar. Viele Anwohner der Karl-Marx-Allee vertraten die Ansicht, dass die Parkplätze für sie unverzichtbar seien.

Streit im Senat

Noch Ende Januar war aus der Verkehrsverwaltung zu hören, dass die Bauarbeiten an der Magistrale zwar vorangetrieben würden – aber ohne endgültige Planungen für den Mittelstreifen. Im Dezember hatte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) die Verkehrssenatorin für ihren damals überraschenden Vorstoß kritisiert, das bestehende Konzept ändern und den Grünstreifen anlegen zu wollen.

Nun heißt es in dem Infoschreiben an die betroffenen Anwohner: „Wir wissen, dass nicht alle Ihre Hoffnungen und Erwartungen erfüllt werden, gerade was die Wiederherstellung aller Parkplätze angeht.“ Die Verkehrsverwaltung sei sich aber mit dem Bezirk Mitte, der Kulturverwaltung und dem Landesdenkmalamt darüber einig geworden, dass eine Überarbeitung der bisherigen Planungen sinnvoll sei. Die Neugestaltung der Karl-Marx-Allee müsse die Auswirkungen des Klimawandels, etwa Perioden mit großer Hitze oder Starkregen, baulich stärker berücksichtigen.

Die Umwandlung des größten Teils des Mittelstreifens in einen Grünstreifen diene der Schaffung zusätzlicher Versickerungsflächen, aber auch der Steigerung der Aufenthaltsqualität und der Erhöhung der Verkehrssicherheit. Verglichen mit der Anzahl der Parkplätze im Jahr 2014 werden dem Vernehmen nach 185 Parkplätze in dem betroffenen Abschnitt wegfallen. Geparkt werden kann in Zukunft auf 155 Stellplätzen am Straßenrand. Nicht begrünt, sondern befestigt wird der Mittelstreifen vor dem Kino International zwischen Berolinastraße und Schillingstraße.

Mit Blick auf den bestehenden Denkmalschutz wolle man, so die Verkehrsverwaltung, die Ursprungsgestaltung der Karl-Marx-Allee erlebbar halten. Ebenfalls befestigt würden aus diesem Grund die Übergangsbereiche zum Strausberger Platz und zum Alexanderplatz. Diese stadtplanerische Entscheidung erklärt sich allem Anschein nach dadurch, dass sich das Landesdenkmalamt um die Aufnahme der Karl-Marx-Allee in die Unesco-Welterbe-Liste bemüht. Die nun bekannt gewordenen Neuplanungen für die Karl-Marx-Allee stießen am Mittwoch  bei zahlreichen Anwohnern auf Unverständnis.

„Wenn der Senat ohnehin entscheidet, wie er will, hätte man sich die langwierige Bürgerbeteiligung doch sparen können“, sagte Rentnerin Doris Urbich, die seit 25 Jahren an der Karl-Marx-Allee wohnt. Schon beim Besuch der jüngsten Bürgerdialog-Veranstaltung im Februar habe sie das Gefühl gehabt, dass die anwesenden Politiker die Anwohner  vor vollendete Tatsachen stellen wollten.

Angespannte Verkehrssituation

Ein Gegner des Grünstreifens ist auch Volker Sefzat, Handwerker und seit 20 Jahren Anwohner der Karl-Marx-Allee. „Wir brauchen die Parkplätze auf dem Mittelstreifen dringend zur Entspannung der bestehenden Verkehrssituation“, sagt er.  Vor allem abends und   zu Zeiten, in denen das Einkaufszentrum Alexa gut besucht sei, finde man  seit Beginn der Bauarbeiten kaum einen Stellplatz. „Die Leute parken im Halteverbot und blockieren sogar reservierte Anwohnerparkplätze“, sagt Sefzat. So gehe es nicht weiter. Kein Auto besitzt der Architekt Alireza Shalviri. Er könnte den Parkplatz-Streit in seiner Straße demnach gelassen sehen. „Ich finde Stellplätze auf dem Mittelstreifen trotzdem gut“, sagt er. Für Besucher sei es praktisch, nah am Haus zu parken.