Es hatte fast schon etwas Meditatives. Begleitet von sanften Klängen eines javanesischen Gongs feierten mehrere hundert geladene Gäste am Mittwoch die Grundsteinlegung für den Wiederaufbau des Berliner Schlosses als Humboldt-Forum. Die Zeremonie war nicht etwa gedacht, um die aufgeheizte Debatte um den Wiederaufbau der Barockfassaden zu beruhigen, sie sollte die Gäste auf das künftige Nutzungskonzept des Humboldt-Forums einstimmen. „Der Gong ist das erste Objekt, das wir für das Humboldt-Forum neu erworben haben“, sagte der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), Hermann Parzinger.

Bundespräsident Joachim Gauck, Schirmherr des Schlossprojekts, schritt nach den Gongschlägen entspannt zur wichtigsten Arbeit an diesem Tag: Zu den symbolischen Hammerschlägen auf den Grundstein wünschte er dem Humboldt-Forum, dass es „eine lebendige Begegnung der Kulturen der Welt“ erreichen möge.

"Aktuelles Verständnis unserer Welt"

Genau das ist das Ziel: Das Humboldt-Forum soll ein Ort für den Dialog der Kulturen werden. Hauptnutzer wird die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die hier ihre außereuropäischen Sammlungen präsentieren möchte. Nach der Grundsteinlegung präsentierte Kulturmanager Martin Heller im Alten Museum das Konzept. „Das Humboldt-Forum sucht und formt ein aktuelles Verständnis unserer Welt“, heißt es im Leitbild. Die Idee vom Humboldt-Forum konnte Heller jedoch nicht griffig vermitteln. Dafür verabschiedete er sich vom Begriff der Agora, der seit Jahren durch Reden und Medien waberte, aber nie wirklich definiert wurde.

Martin Heller, seit 2010 für die inhaltliche Arbeit im Humboldt-Forum zuständig, erklärte: Der ursprüngliche Begriff der Agora, so nannte man im antiken Griechenland den zentralen Versammlungsplatz, sei viel zu aufgeladen, überhäuft mit maßlosen Ansprüchen und übersteigerten Erwartungen. Denen könne doch keiner gerecht werden. „Wir verlassen den Begriff. Wir sprechen jetzt von Veranstaltungen im Erdgeschoss.“ Sodann erläuterte er, dass der Inhalt des Humboldt-Forums selbstverständlich von allen Nutzern bestimmt werde, dass es um ein Zusammenspiel von Wissenschaft und Kunst, von Veranstaltung und Museum gehe und selbstverständlich immer um die Weltfragen des derzeitigen Jahrhunderts. Außerdem betonte Heller: Im Zentrum aller Überlegungen stehe das Publikum, insbesondere die jungen Erwachsenen. Die inhaltliche Planung soll weitergehen. Im Jahr 2019 soll das Humboldt-Forum eröffnen.

Zweifel an Spendenbereitschaft

Ein weiteres Problem ist die Finanzierung. Der Bundestags-Haushaltsausschuss hat die Kostenobergrenze auf 590 Millionen Euro festgelegt. 478 Millionen davon zahlt der Bund, das Land Berlin steuert 32 Millionen bei, 80 Millionen Euro will der Förderverein Berliner Schloss aus Spenden aufbringen. Die Kosten für weitere wünschenswerte Rekonstruktionen werden zusätzlich auf rund 30 Millionen Euro beziffert, sodass insgesamt rund 110 Millionen Euro aus Spenden benötigt werden. Ein Großteil des Geldes steht noch aus. Der Förderverein Berliner Schloss hat etwa 26 Millionen Euro Spenden eingenommen.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ist sich sicher, dass die Spendenbereitschaft noch wächst. Und Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU) sagte, er glaube, dass diejenigen, die dem Projekt skeptisch gegenüber stünden, in der Minderheit seien. Doch da irrt der Minister. Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag des Stern lehnen fast zwei Drittel der Deutschen den Wiederaufbau des Schlosses ab, nur 30 Prozent sind dafür. Am Rande der künftigen Baustelle demonstrierte eine kleine Gruppe von Schlossgegnern: In einem Trauerzug trugen sie symbolisch die einstige Wiese zu Grabe, die von 2009 bis 2013 auf dem Gelände war.