Die Fläche ist größer als der Große Tiergarten. 267 Hektar Land umfassen die ehemaligen Rieselfelder Karolinenhöhe im Spandauer Ortsteil Gatow. Für Berliner ist es ein beliebtes Naherholungsgebiet zum Spazierengehen und Radfahren, Landwirte bauen hier Tierfutter an oder nutzen die Wiesen als Weideflächen.

Rätselraten um Investor

Dass die Berliner Wasserbetriebe das gesamte Areal an einen privaten Investor verkaufen wollen, stößt bei vielen Spandauern auf Protest. Und löst Rätselraten aus. Denn der Kaufinteressent ist Groß-Gastronom Josef Laggner. Weshalb sich viele Spandauer fragen: Was will der Edel-Wirt in einem Landschaftsschutzgebiet, das mit Schadstoffen belastet ist, und wo nichts gebaut werden darf?

Edel-Gastronom schweigt

Im Spandauer Bezirksamt heißt es, man habe gehört, Laggner wolle im Betriebshof auf dem Areal eine Eventgastronomie etablieren. Doch was er mit fast 300 Hektar Fläche vorhaben könnte, wisse man auch nicht. Laggner selbst hat bisher nichts dazu gesagt. Der gebürtige Österreicher, der unter anderem das Lutter & Wegner und das Augustiner am Gendarmenmarkt, die Fischerhütte am Schlachtensee und das Krongut Bornstedt betreibt, sei derzeit nicht in Deutschland, sagt eine Sprecherin der Laggner-Gruppe. Ob er sich nach seiner Rückkehr äußern werde, sei nicht klar.

Unterhalt des Geländes ist teuer

Klar ist allerdings, dass die Wasserbetriebe das riesige Areal verkaufen wollen. Bis vor gut zwei Jahren wurden die Rieselfelder in Gatow genutzt, um gereinigtes, aber gering belastetes Wasser zu versickern. Doch das sogenannte Klarwasser wird mittlerweile im Klärwerk Ruhleben entsorgt. Der Unterhalt des Geländes verursache Kosten in sechsstelliger Höhe, denen kein Nutzen mehr gegenüber stehe, sagt Stephan Natz, Sprecher der Wasserbetriebe.

Gerade in Zeiten, in denen der Wasserpreis heftig diskutiert wird, könne sich das Unternehmen so etwas nicht leisten. Durch den Verkauf an einen Privatmann würde sich zudem nichts an der erlaubten Nutzungsform ändern – Landschaftsschutzgebiet bleibe Landschaftsschutzgebiet.

Warten auf die Genehmigung

Zum Kaufpreis äußert sich Natz nicht. Angeblich liegt Laggners Angebot etwas über dem Bodenrichtwert von 80 Cent pro Quadratmeter. Daniel Buchholz, SPD-Abgeordneter aus Spandau, geht davon aus, dass der Preis zwischen zwei und drei Millionen Euro liegen wird. Dass die Fünf-Millionen-Grenze nicht überschritten wird, ist bedeutsam: Nur dann muss der Verkauf vom Aufsichtsrat der Wasserbetriebe, in dem Vertreter des Landes Berlin sitzen, genehmigt werden.

Wunsch nach mehr Öffentlichkeit

Rechtlich wäre ein schneller Verkauf daher möglich. Daniel Buchholz will jedoch verhindern, dass ein Gebiet dieser Größe unter Ausschluss der Öffentlichkeit verkauft wird. Er unterstützt eine Gruppe Spandauer, die sich in dieser Woche zu einem Runden Tisch getroffen haben und Informationen fordern. Zu ihnen gehören Landwirte, die Rieselfeld-Flächen gepachtet haben, Vertreter des Landschaftspflegeverbands Spandau und des Fördervereins Historisches Gatow. Sie laden am 3. September zu einer Podiumsdiskussion ein. Auch das Bezirksamt hat Klärungsbedarf. Am 7. September treffen sich Vertreter der Wasserbetriebe mit Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank (SPD), um über die Zukunft der Rieselfelder zu beraten.

Das letzte Wort sei noch lange nicht gesprochen, sagt Daniel Buchholz. Er will, dass die Wasserbetriebe die Rieselfelder behalten. Sie hätten das Gebiet mehr als hundert Jahre lang mit Schadstoffen belastet und müssten die Verantwortung für die weitere Nutzung tragen. Ansonsten gebe es auch Alternativen zum Verkauf. Die Wasserbetriebe könnten das Gebiet zum Beispiel den Stadtgütern übertragen. Diese besitzen schon 6 000 Hektar frühere Rieselfelder auf Brandenburger Gebiet und haben mit der Nachnutzung solcher Flächen Erfahrung.