Die Anzeige stand nur wenige Tage im Internet, die Zahl der Interessenten für dieses „Entwicklungsgrundstück“ war riesig, der Verkauf verlief zügig. Nach Informationen der Berliner Zeitung hat die Immobiliengesellschaft TLG ein 4 523 Quadratmeter großes Grundstück am Teutoburger Platz in Prenzlauer Berg für den ungewöhnlich hohen Preis von 17 Millionen Euro an einen Münchner Investor verkauft. Auf dem Grundstück an der Fehrbelliner Straße/ Ecke Templiner Straße befindet sich eine Filiale der Supermarktkette Kaiser’s.

Der Millionen-Gewinn geht an den US-amerikanischen Finanzinvestor Lone Star mit Sitz in Dallas (Texas). Das Unternehmen gilt als zweifelhafter Finanzinvestor. An Lone Star hatte der Bund Ende 2012 die Reste seiner Immobilientochter TLG verkauft. Das waren etwa 800 Gewerbe-Immobilien in Ostdeutschland mit einem Verkehrswert von 1,4 Milliarden Euro. Zu ihnen gehören neben Büros, Hotels, Läden- und Produktionsflächen auch bekannte Berliner Einrichtungen wie die Kulturbrauerei an der Schönhauser Allee, das Prinzessinnenpalais Unter den Linden, das Haus der Elektroindustrie, das Kino Cubix am Alex und das Haus der Stasi-Unterlagenbehörde an der Karl-Liebknecht-Straße in Mitte. Das Bundesfinanzministerium hatte den Verkauf an Lone Star im Dezember 2012 auch damit begründet, dass der Käufer den Bestand erhalten wolle.

Weitere Verkäufe geplant

Branchenkenner sehen in dem erfolgreichen Verkauf des Kaiser’s-Grundstücks am Teutoburger Platz einen „Testballon“ des US-amerikanischen Finanzinvestors. Offenbar will dieser in Kürze weitere Immobilien veräußern. Dem Vernehmen nach gehören dazu auch weitere Grundstücke mit Kaiser’s-Filialen, etwa in gefragten Wohngegenden an der Pappelallee und an der Winsstraße in Prenzlauer Berg. Die TLG bestätigte diese Pläne nicht.

Gleichzeitig sagte der Sprecher der Geschäftsführung der Kaiser's Tengelmann GmbH, Raimund Luig, der Berliner Zeitung auf Nachfrage, man sei als Mieter der Grundstücke derzeit mit der TLG im Gespräch. „Diese Grundstücke sind für Investoren sehr interessant, da gibt es viel Bewegung und wir überlegen, ob wir das eine oder andere Grundstück selber kaufen.“ Der Mietvertrag am Teutoburger Platz endet im Juni 2015.

Mehr als 60 Bewerber wollten nach Veröffentlichung der Anzeige von den Stadtplanern im Bauamt wissen, was sie auf dem Grundstück alles bauen dürfen. Aus rechtlicher Sicht ist es zur kompletten Bebauung vorgesehen. Fünfgeschossige Wohnhäuser, wie es sie in der Nachbarschaft gibt, können dort entstehen, insgesamt etwa 100 Wohnungen. Und sie werden nicht billig sein. Allein der Grundstückspreis liegt im aktuellen Verkauf bei etwa 2 000 Euro pro Quadratmeter der Gesamtnutzfläche. Üblich sind Preise zwischen 300 und 800 Euro.

Kommunalpolitiker befürchten hohe Kauf- und Mietpreise für die Neubauten auf dem Grundstück. „Bei dieser hohen Kaufsumme ist der Verwertungsdruck enorm hoch“, sagt Pankows Stadtrat für Stadtentwicklung, Jens-Holger Kirchner (Grüne). Er befürchtet, auf dem Grundstück werde künftig „jeder Zentimeter hochwertig bebaut“.

Auch in der Pappelallee und in der Winsstraße liegen die Grundstücke in einem Wohngebiet. Auch hier sind mehrgeschossige Neubauten möglich. Ob die Supermärkte nach Ende der Mietverträge weitergeführt werden, ist derzeit ungewiss. Kaiser’s-Sprecher Luig sagte, sein Unternehmen wolle „mittel- und langfristig“ an seinen Berliner Standorten bleiben. Stadtplaner sagen, man könne dem Investor lediglich empfehlen, Supermärkte im Erdgeschoss einzuplanen.