Berlin - Eine neue Villensiedlung entsteht im Berliner Nobelvorort Grunewald: Entlang der extra für das exklusive Wohngebiet angelegten, fast einen Kilometer langen Hilde-Ephraim-Straße hat die aurelis Real Estate 44 Grundstücke für Einfamilienhäuser verkauft. Die Kosten dafür betrugen 520 bis 690 Euro pro Quadratmeter, liegen damit trotz prominenter Umgebung aber noch niedriger als in Berlins teuerstem Gebiet, der Händelallee in Tiergarten mit 600 bis 800 Euro je Quadratmeter.

Auf weiteren rund 14 600 Quadratmetern entstehen an der Hilde-Ephraim-Straße etwa 20 bezugsfertige Doppel- und Einfamilienhäuser mit 140 bis 150 Quadratmeter Wohn- und etwa 300 Quadratmeter Grundstücksfläche. Diese errichtet die cds Wohnbau Berlin, Kaufpreis ab 500 000 Euro aufwärts. Im kommenden Jahr werden weitere Grundstücke auf dem Areal veräußert, kündigte Harald Hempen, Leiter Region Nord bei aurelis, an. Es gebe dafür bereits eine lange Warteliste von Interessenten.

Die Käufer kommen laut Hempen zu zwei Dritteln aus Charlottenburg-Wilmersdorf, etwa 15 Prozent stammen aus Steglitz-Zehlendorf, weitere 15 Prozent aus dem Bundesgebiet. Es sind vor allem Leute im Alter zwischen 30 und 40 Jahren mit Kindern, die ruhig und etwas exklusiver wohnen wollen – und trotzdem gut angebunden an das Nahverkehrsnetz der Stadt Berlin. Der S-Bahnhof Grunewald ist nur wenige Geh-Minuten entfernt. „Es ist etwas Besonderes für die City West, dass eine ganze Neubausiedlung eröffnet wird“, sagt Charlottenburg-Wilersdorfs Baustadtrat Marc Schulte (SPD). Denn Baugrund dort ist rar – und überaus gefragt.

Klage gegen Bebauungsplan

Dennoch war das neue Wohngebiet war lange umstritten. Anwohner aus den umliegenden Villenvierteln befürchteten Verkehrsbelastung und Lärm durch den Zuzug von etwa 250 Personen. Sie klagten deshalb vor dem Verwaltungsgericht gegen den Bebauungsplan. Doch dieses wies im Jahr 2010 die sogenannte Normenkontrollklage ab. Für Lärmschutz sorgt inzwischen eine begrünte Schallschutzanlage am nordwestlichen Rand des Wohngebietes, sie schirmt das Areal gegen das benachbarte Wohngebiet und die Avus ab. Auch die Bewohner der historischen Villenkolonie profitieren davon.

Auch die Jüdische Gemeinde hatte anfangs Bedenken geäußert. Diese befürchtete eine Beeinträchtigung der Gedenkstätte Gleis 17, die an die Deportation von 56 000 Juden durch die Nazis erinnert. Als Sichtschutz wurden deshalb zwei große Erdwälle zwischen Denkmal und dem neuen Wohngebiet errichtet. Diese lassen eine Sichtachse von der Gedenkstätte auf die Bahngleise frei.