Der Bezirk wird das sogenannte „Horror-Haus“ in der Schöneberger Grunewaldstraße wohl nicht unter eine kommunale Zwangsverwaltung stellen. Nach Ansicht des Bezirksamtes gibt es dafür kaum Realisierungschancen, wie Sibyll Klotz, grüne Stadträtin für Stadtentwicklung, sagt. Sie verweist auf den grundgesetzlichen Schutz des Eigentums, den man nicht leichter Hand aushebeln könne. Es brauche konkrete Nachweise für ungesetzliches Handeln. Und diese Nachweise gebe es – auch mangels aussagekräftiger Anzeigen gegen den Vermieter – bisher nicht.

Fünf Wohnungsräumungen am Mittwoch

Benjamin Düsberg, Rechtsanwalt von vier rumänischen Familien im Haus, hatte eine solche Zwangsverwaltung beantragt und dies mit illegalen Räumungen begründet. Nach Düsbergs Angaben stehen am Mittwoch erneut fünf Wohnungsräumungen an. Sie seien alle widerrechtlich, weil die Kündigungen nicht begründet worden seien. Die Polizei weiß nach Angaben einer Sprecherin von dem Vorhaben. Sie könne aber nicht aktiv werden, da es sich um eine zivilrechtliche Auseinandersetzung handele.

Seit November 2014 quartierte der Vermieter bis zu 200 Angehörige der Volksgruppe der Roma in teils heruntergekommenen Wohnungen seines vernachlässigten Hauses in der Grunewaldstraße 87 ein. Die Folge waren untragbare soziale und hygienische Zustände. Diese sollten offenbar die verbliebenen Altmieter des Hauses zum Auszug bewegen. Einmal leergezogen, könnte das Haus saniert und anschließend teuer vermarktet werden.

Roma sollen raus

Jetzt sollen anscheinend zunächst die Roma wieder raus. Jedoch haben nach Düsbergs Angaben alle gültige Mietverträge. Um sie dennoch zum Auszug zu bewegen, komme es auch zu Nötigungen und Körperverletzungen. Deshalb beantragt Düsberg auch ein Betretungsverbot gegen zwei Mitarbeiter des Vermieters.

Stadträtin Klotz hält das Bezirksamt für den falschen Adressaten für Forderungen. Vorige Woche hatte ein Anwalt der Altmieter eine Ersatzvornahme ins Gespräch gebracht. Dabei würde die öffentliche Verwaltung über den Eigentümer hinweg bauliche Veränderungen veranlassen. Die Kosten dafür solle sich das Amt vom Eigentümer zurückholen. „Es wäre gut, wenn die Anwälte ihre Hauptkraft gegen den Vermieter richten würden.“ Dieser sei Ursache des Problems, so Klotz.