Der Auszug der Neu-Bewohner aus dem sogenannten Horror-Haus an der Grunewaldstraße in Schöneberg geht weiter. Wie am Dienstag angekündigt, landeten am Mittwoch Angehörige der Volksgruppe der Roma auf der Straße. Ob der Eigentümer sein Hausrecht durchsetzte, oder andere Personen und Interessen dabei eine Rolle spielten, blieb unübersichtlich.

Am Mittwoch lagerte Vasilica G. aus Rumänien mit ihren drei Kindern auf dem Bürgersteig gegenüber. Neben ihnen ihr Hab und Gut: Decken, Kissen, Kleidung, persönliche Dinge. Sie habe an diesem Morgen ihre Wohnung in der Grunewaldstraße 87 verlassen und sitze seitdem auf der Straße, ließ die 45-Jährige eine Nachbarin übersetzen. Bis dahin habe sie mit ihrem Vater und drei Kindern in dem Haus gewohnt. Jetzt wisse sie nicht, wohin.

Vasilica G.s Bleibe ist seit Monaten in den Schlagzeilen. Seit vorigem Herbst wohnten bis zu 200 Roma in dem verwahrlosten Haus. Die Folge waren (und sind) untragbare hygienische Zustände, aber auch immer wieder Lärm und Gewalt. Mehr als 200 Polizeieinsätze hat es seither gegeben. Kritiker sehen darin eine Strategie des Vermieters. Offenbar hoffte dieser, damit die verbliebenen Alt-Bewohner aus ihren etwa ein Dutzend Wohnungen zu vertreiben. Eine leere Immobilie lässt sich leichter sanieren und danach vermarkten.

Noch neun Roma-Familien

Mittlerweile räumt die Hausverwaltung die Wohnungen der Roma. Dabei werde auch Druck ausgeübt – mal sanfter, mal massiver Art, hieß es. Von einst 200 Roma leben nach Angaben von Polizisten noch neun Familien im Haus. Wahrscheinlich werden Vasilica G. und ihre Kinder in Hotels umziehen – so wie schon andere Familien in Drei- und Vier-Sterne-Hotels untergebracht wurden. Die Kosten trägt das Bezirksamt. Nun laufen Versuche, den Hauseigentümer und Verursacher dieser Obdachlosigkeit ebenfalls zur Kasse zu bitten.

Ob Vasilica G. am Mittwoch freiwillig oder unter Druck ausgezogen ist, ließ sich nicht klären. Als sie am Dienstagabend nach Hause gekommen war, habe sie ihre Wohnung nicht betreten können, sagte sie. In ihrer Abwesenheit war eine verriegelte Stahltür eingebaut worden. Die Polizei habe diese geöffnet, so dass sie die Nacht mit ihren Kindern in der Wohnung verbringen konnte. Am nächsten Morgen habe sie dann rausgemusst, habe man ihr gesagt. Wer das war, bleibt offen.

Das mit der Stahltür sei in Vasilica G.s Fall ein Irrtum gewesen, sagten zwei Vertreter des Hausbesitzers, die an diesem Mittwochmittag im Haus anzutreffen waren. Noch am Abend habe man der Familie „selbstverständlich die Wohnung geöffnet und sich entschuldigt“. Als die Familie am nächsten Morgen ausgezogen sei, habe man die Chance genutzt und die Tür wieder einbauen lassen. Das sei notwendig, um das Eigentum zu schützen.

Stahltüren als Methode

Die Methode mit den Stahltüren setzt der Hauseigentümer nach Angaben seiner Mitarbeiter seit April ein. Mittlerweile seien 26 solcher Türen eingebaut. Ziel sei es, alle mit Neu-Bewohnern belegten Wohnungen zu räumen und auf diese Weise vor einem Neubezug zu sichern.

Nach Angaben der Männer – einer sagte, er sei Anwalt, ihre Namen wollten beide nicht nennen – besitze kein Neu-Bewohner einen gültigen Mietvertrag, vorgelegte Papiere seien gefälscht. Ebenso habe keiner je Miete an den Eigentümer gezahlt. „In unseren Augen sind das keine Mieter, das sind Besetzer,“ sagte der Begleiter des Anwalts.

Benjamin Düsberg, Rechtsanwalt von vier Roma-Familien, hatte behauptet, dass alle Roma im Haus Mietverträge hätten – manche mündlich, manche schriftlich. Die Räumungen seien alle illegal, weil sie nicht begründet worden seien.