Berlin - Es war wohl eines der Häuser, an denen in der DDR am längsten gebaut wurde: Vom neun- bis elfgeschossigen Bürogebäude an der Frankfurter Allee 116 in Lichtenberg standen jahrelang nur die Fahrstuhlschächte, weil der Boden abgesackt war. Schließlich fertiggestellt Ende der 1980er-Jahre, diente es verschiedenen Reichsbahnstellen als Dienstsitz, zuletzt der Deutschen Bahn. Nachdem der Plattenbau nahe der Lichtenberger Brücke mehrere Jahre lang leer stand, sind dort wieder Bauarbeiter tätig. In das „Q 216“ (Quartier 216) sollen künftig Studenten und Singles einziehen, die nicht viel Geld fürs Wohnen ausgeben können. Im April soll die Vermietung der 438 Appartements beginnen. Die Werbung dafür hängt bereits am Haus.

1000 neue Wohnungen

Bauherren für den Komplex, der vollständig entkernt und neu aufgebaut wird, sind Lutz Lakomski und Arndt Ulrich aus dem Westerwald. Die Investoren haben in Lichtenberg bereits das frühere Konsument-Kaufhaus am Anton-Saefkow-Platz und die alte Zuckerwarenfabrik in Hohenschönhausen zu ungewöhnlichen und gefragten Wohnorten entwickelt. Sie wollen etwa 1000 Wohnungen in Lichtenberg schaffen. Nachdem die Mieten in der Innenstadt immer mehr steigen, hat sich für diesen Bezirk eine große Nachfrage ergeben. Immerhin braucht man vom Bahnhof Lichtenberg mit der Bahn nur 15 Minuten bis zum Alexanderplatz.

Diese Lage sieht Lakomski auch als Vorteil für „Q 216“. Dass die künftigen Bewohner auf der einen Seite direkt auf die Bahnschienen gucken werden und auf der anderen Seite auf die sechsspurige Frankfurter Allee sei kein Problem, sagt der Investor: „Wir bauen etwas, was es viel zu wenig in Berlin gibt – nämlich kleine und bezahlbare moderne Wohnungen.“

Interessierte Investoren

Die Appartements mit Einbauküche werden zwischen 25 und 35 Quadratmeter groß sein. In den Häusern soll es 400 Fahrradabstellplätze geben, noch einmal 100 davor und etwa 100 Pkw-Stellplätze.
Zwischen 300 und 350 Euro wird die monatliche Warmmiete kosten. Insbesondere Studenten wollen die Bauherren ansprechen. „Aber natürlich sind es auch Wohnungen für andere junge Leute, die erst am Berufsstart sind oder ein geringeres Einkommen haben“, sagt Lakomski. Im September soll die erste Hälfte des Häuserblocks bezogen werden können, im Frühjahr 2013 der Rest.

Ursprünglich wollten Ulrich und Lakomski, die die Immobilie im Jahr 2009 erworben hatten, dort ein Fachmarktzentrum mit Bau- und anderen Märkten errichten. Inzwischen hat die Firma, die bisher auf Gewerbeimmobilien spezialisiert war, jedoch Erfolg im Wohnungsbau. „Wir haben deshalb im Frühjahr 2011 umgeplant“, sagt Lakomski. Ein Obi-Markt werde allerdings auch noch auf dem Gelände entstehen – hinter dem zukünftigen Studenten- und Single-Haus.

Dass für Investoren studentisches Wohnen zunehmend interessant wird, bestätigt auch eine Studie des Forschungs- und Beratungsinstitutes BulwienGesa. Das Institut bewertet die Wohnraumsituation von Studierenden in Deutschland insgesamt als angespannt, weil gerade kleinteiliger Wohnraum knapp ist. Nach den Erhebungen geben Studenten bisher im Schnitt 281 Euro für Miete aus, bei neueren Wohnungen sogar 50 Prozent mehr. „Die Nachfrage nach Studentenappartements mit hohem Standard zieht an, immer mehr Studenten sind bereit und in der Lage, für besondere Qualität und sinnvollen Service einen Aufschlag zu zahlen“, heißt es in der Studie.