Berlin - Mit neuen Tarifangeboten fängt es an. 2019 werden Firmen- und Azubi-Tickets deutlich billiger, und spätestens ab 2020 dürfen alle Berliner Schüler in Berlin kostenlos Bus und Bahn fahren. In den Jahren darauf geht es Schlag auf Schlag weiter: mit neuen Fahrzeugen, häufigeren Fahrten, neuen Strecken, elektrischen Antrieben auch bei Bussen. Dafür will der Senat die Weichen stellen – und zwei umfangreiche Dokumente am Dienstag verabschieden: den Nahverkehrsplan für 2019-2023 sowie den Bedarfsplan, der sogar bis 2035 gilt. Ebenfalls bis 2035 werden 28,1 Milliarden Euro in den Nahverkehr investiert.

„Mein Ziel ist, dass viel mehr Berlinerinnen und Berliner sagen können: Ich brauche gar kein Auto“, sagte Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) am Montag. „Mit diesem Plan setzen wir die Verkehrswende im öffentlichen Verkehr um“, so Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne). „Die Jahrzehnte, in denen im Berliner Nahverkehr gespart wurde, sind endgültig vorbei.“

Billigere Tickets für Schüler, Azubis und Pendler

Bald will der Aufsichtsrat des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg für die ersten Tarifneuerungen grünes Licht geben. Dass Berliner Schüler innerhalb ihrer Stadt zum Nulltarif fahren, steht bereits fest. Jetzt geht es darum, wann sich dieses Ziel von Rot-Rot-Grün umsetzen lässt.

Damit der Senat mit den Verkehrsbetrieben abrechnen kann, wird es weiterhin erforderlich sein, dass alle Schüler Tickets mit sich führen – auch wenn diese gratis sind. Je nachdem, wie zügig das neue Verfahren eingeführt werden kann, wird der Nulltarif für Schüler nach den Sommerferien 2019 oder im Jahr 2020 eingeführt, sagte Hartmut Reupke, der im Senat die Abteilung Verkehr leitet.

Der Verkehrsverbund berät auch über den Plan, die bisherigen Azubi-Tickets durch ein neues, preiswerteres Angebot zu ersetzen. Es soll in ganz Berlin und Brandenburg gelten, so Reupke. Kosten pro Jahr: 365 Euro. Damit nicht genug: Wie angekündigt wird 2019 zudem ein neues Firmenticket eingeführt, das die Fahrkosten für Pendler spürbar verringern soll.

Arbeitgeber müssen bei Firmentickets Zuschuss zahlen

„Im April beginnt die Info-Kampagne, vom 1. September an soll es die Firmentickets geben“, sagte Reupke. Heute sind pro Monat je nach Abrechnungsart 57,63 oder 60,25 Euro zu zahlen. Künftig soll der Monatspreis für Berlin (Tarifbereich Berlin AB) unter 50 Euro sinken – die Rede ist von 49 Euro. Der Tarif für Berlin ABC fällt unter 75 Euro. Allerdings müssen die Arbeitgeber einen Zuschuss zahlen. Das jetzige Verfahren soll es noch zwei Jahre geben.

Auf Fahrpreiserhöhungen soll in den kommenden Jahren aber nicht verzichtet werden. Die Autoren des Nahverkehrsplans gehen davon aus, dass die Einnahmen der Verkehrsunternehmen jährlich um 3,2 Prozent steigen müssen. 1,82 Prozent der zusätzlichen Gelder kommen durch die zusätzlichen Fahrgäste herein. Um den übrigen Bedarf zu decken, könnten Tarifsteigerungen in Frage kommen, hieß es Montag.

Berliner Straßenbahnnetz soll deutlich wachsen

2018 kamen dem Berliner Nahverkehr 1,1 Milliarden Euro zugute, künftig sollen es pro Jahr durchschnittlich 1,76 Milliarden Euro sein. „Wir müssen in neue Wagen investieren“, so Günther. Bis 2035 wächst die Straßenbahnflotte von 342 auf 472 Fahrzeuge, die der U-Bahn von 1272 auf 1656 Wagen. Derzeit hat die S-Bahn 650 Zwei-Wagen-Einheiten, in 16 Jahre sollen es 790 sein.

Das Straßenbahnnetz soll von 194 auf 267 Kilometer wachsen. Der Bedarfsplan listet 16 Neubaustrecken auf. Wie mühselig solche Projekte sind, zeigt aber die Tatsache, dass die Trassen zur Turmstraße, zum Ostkreuz und in Adlershof erst 2021 fertig werden – lange war von 2020 die Rede.

Ihren Streit darüber, ob das U-Bahn-Netz wachsen soll oder nicht, haben SPD und Grüne beigelegt. Es bleibt dabei, dass mögliche Erweiterungen zunächst mit Machbarkeitsstudien geprüft werden: Rudow-BER, Wittenau–Märkisches Viertel, Kurt-Schumacher-Platz–Urban Tech Republic Tegel und Spandau–Heerstraße Nord. Bau-Gesamtkosten: rund zwei Milliarden Euro.