Berlin - Nach dem überraschenden Rücktritt von Berlins oberstem Elternvertreter Günter Peiritsch wird der Landeselternausschuss wohl noch im April einen neuen Vorsitzenden wählen. Dabei war Peiritsch erst Ende Januar knapp mit zwölf zu zehn Stimmen in dem Ehrenamt bestätigt worden. Seine Gegenkandidatin damals war Lieselotte Stockhausen-Döring aus Steglitz-Zehlendorf. Die Frau, die für die FDP-nahe Naumann-Stiftung arbeitet, ist nun als erneute Kandidatin im Gespräch. Der Landeselternausschuss vertritt alle Eltern von Schulkindern, formuliert schulpolitische Positionen und wird bei Gesetzesvorhaben beteiligt.

Zeit für einen Wechsel

Peiritsch hatte am Freitagabend während einer Ausschusssitzung seinen Rücktritt erklärt. Die Zeit für einen Wechsel sei gekommen, sagte der Vater von drei Schulkindern. Zuvor hatte es im Gremium einen heftigen Streit gegeben. Denn Peiritsch wollte eine neue Geschäftsordnung durchsetzen, die seine Rolle gestärkt hätte. Das stieß auf heftige Kritik.

Auszüge des internen Email-Verkehrs landeten auch bei Politikern der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus. Von der SPD war Peiritsch zuletzt wiederholt kritisiert worden, weil er in der Schulpolitik die Konfrontation mit Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) suchte. Als Vertreter im Landesbeirat für Inklusion hatte er massiv die Bildungsverwaltung kritisiert, weil seiner Meinung nach die geplante Personalausstattung unzureichend sei, um behinderte Kinder an Regelschulen zu unterrichten.

Mit Schauspielausbildung

Peiritsch hatte sein Amt im Mai 2010 übernommen und den Landeselternausschuss breiter aufgestellt. Arbeitsgruppen wie etwa zum Schulessen konnten eigenständig agieren. So wollte die Arbeitsgruppe anders als Peiritsch die neuen Schulessenspreise sozial staffeln. Diese neue Unabhängigkeit war Peiritsch irgendwann zu viel: „Über die Arbeitsgruppen konnte nahezu jeder „Außenstehende“ seine Beteiligungsmöglichkeiten finden“, erklärte Peiritsch. Diese Öffnung der Gremien wollte er mit der neuen Geschäftsordnung neu strukturieren.

Ansonsten neigte Peiritsch, der früher als Schauspieler gearbeitet hatte, zu wortreichen Äußerungen, die nach Einschätzung von Kritikern nicht immer von absoluter Klarheit geprägt waren.