Potsdam - Günther Jauch hat es mal wieder getan und lange Zeit verschwiegen, dass er es getan hat: Wie berichtet, hat er bereits im Sommer 1,5 Millionen Euro für den Wiederaufbau der Garnisonkirche im Zentrum von Potsdam gespendet. Das wurde aber erst jetzt bekannt, denn Jauch hatte die Stiftung Garnisonkirche Potsdam um Stillschweigen gebeten. Das entscheidende an der Spende ist nicht nur die Summe, sondern vor allem der werbewirksame Name des Spenders, denn Jauch gehört zu den mit Abstand bekanntesten Fernsehmoderatoren Deutschlands. Seine Spende könnte der entscheidende Schritt für die Zukunft dieses Projektes sein, für das viele Jahre lang nicht die nötigen Spenden zusammenkamen.

Ihn als Spender gewonnen zu haben, wird von der Stiftung als endgültiger Durchbruch bei den Privatspenden angesehen – seine 1,5 Millionen Euro sind die bislang höchste Einzelspende. „Wir setzen schon auf eine Art Jauch-Effekt und hoffen, dass seine Spende auch andere Spender motiviert“, sagt Stiftungssprecherin Friederike Kranke. Neben Jauch gibt es noch andere Großspender: Der Chef eines Immobilienkonzerns gab 250.000 Euro und ein Architekt 150.000 Euro.

Dass die Spenden bislang nicht reichen, um den Bau zu finanzieren, liegt auch an der heftigen Kritik, die es von Anfang gab am Nachbau der nach Bombenangriffen im Zweiten Weltkriegs völlig ausgebrannten Kirche. Die fast 90 Meter hohe Kirche galt zwar als weithin sichtbares Wahrzeichen der Stadt, doch es gab da auch den „Tag von Potsdam“: Am 21. März 1933 fand dort der Festakt zur konstituierenden Sitzung des Reichstags statt. Dabei reichte Reichspräsident Paul von Hindenburg seine Hand Adolf Hitler. Kritiker sagen, damit habe das alte Preußen das NS-Regime legitimiert, und deshalb dürfe die Kirche als Symbol des preußischen Militärs nicht wieder aufgebaut werden. Selbst wenn dort – wie geplant – ein Versöhnungs- und Friedenszentrum entstehen soll.

Das derzeitige Ziel der Stiftung ist es, dass nicht die gesamte Kirche, sondern erst einmal nur der Turm nachgebaut wird – aber nicht mit der originalgetreuen historischen Fassade, sondern als sogenannter Grundbau. Dabei handelt es sich um den Turm als funktionsfähiges Gebäude, aber ohne jeglichen äußeren Schmuck, aber mit Bibliothek, Kapelle und Aussichtsplattform. „Derzeit fehlen noch 750 000 Euro an Spendengeld“, sagt Stiftungssprecherin Kranke. „Wenn wir das Geld haben, können wir bei der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien die vom Bund für den Bau zugesagten 12 Millionen Euro beantragen.“ Dann wären 26 Millionen Euro für den Turm zusammen.

Es sei aber nicht sicher, ob das Geld kommt, denn die zwölf Millionen Euro waren ursprünglich nicht für die abgespeckte Turm-Bau-Variante versprochen worden, sondern für den fast 38 Millionen Euro treuen Nachbau inklusive der aufwendigen historischen Fassade.

Doch dafür reichen die Spenden nicht, deshalb soll nur der Turm gebaut werden. Die Zeit drängt. „Die Baugenehmigung endet 2019, und das Bauwerk muss spätestens ein Jahr später fertig sein. Wir sind guter Dinge, dass wir im Oktober 2017 mit dem Bau beginnen können.“

„Millionäre kaufen sich eine Stadt“

Doch es gibt auch Kritik am Bau. Die in Potsdam sehr starke Linke ist dagegen, ebenso wie „Christen brauchen keine Garnisonkirche“, die zum Beispiel von dem bekannten Theologen Friedrich Schorlemmer unterstützt werden sowie von der Bürgerinitiative „Für ein Potsdam ohne Garnisonkirche“.

„Das Projekt spaltet Potsdam“, sagt Lutz Boede von der Partei Die Andere, die im Stadtparlament sitzt und auch gegen den Bau ist. „Es gibt bei vielen den Eindruck: Herr Jauch und die anderen Millionäre kaufen sich eine Stadt.“ Boede sagt, es sei ärgerlich, dass von der Mehrheit im Parlament vor Jahren ein Bürgerentscheid verhindert wurde. „Uns wäre ein demokratisches Votum wichtig gewesen, denn es kommt bei vielen Leuten nicht gut an, wie einige Reiche, die in ihren Villen sitzen, mit ihren Spenden dem Rest der Stadt ihren Willen aufdrücken.“

Boede meint die Millionäre, die sich in Potsdam angesiedelt haben und wie Jauch als Großspender oder Mäzene auftreten. „Diese Leute verwechseln sich selbst mit der Mehrheit der Bevölkerung“, sagt er, „und die Mehrheit wohnt nun mal nicht in den Villen am Heiligen See, sondern in den Plattenbauten.“