Berlin - Junge schwarze Männer aus offenbar ärmlichen Verhältnissen starren auf die Kunden der Luxusboutiquen Prada, Gucci und Co. Das war die Idee einer Gruppe rund um Mallence Bart-Williams, die am Wochenende auf dem Kurfürstendamm in einer Guerilla-Aktion Plakate mit den Gesichtern der jungen Männer an die Fenster der Luxus-Boutiquen klebte.

Die 36-jährige Bart-Williams, die zur Zeit in Berlin lebt, hatte zuvor ein Buch veröffentlicht. In „Lion Base“ beschreibt sie ihre Arbeit mit 20 jungen Männern aus Sierra Leone, einem der ärmsten Länder Afrikas. Bei einem afrikanischen Schneider in der Nähe der „Lion Base“, dem Slum, in dem die Jungs lebten, wollte sie eine Jacke für ihren Bruder, den Musiker Patrice Bart-Williams, herstellen lassen.

Immer wieder wurde sie dabei vor den kriminellen Jugendlichen gewarnt. Bart-Williams, Tochter des Dichters Gaston Bart-Williams aus Sierra Leone, bezeichnet sich selbst in einem Gespräch im Soho House jedoch als sehr mutig. Aus diesem Grund ging sie direkt auf die Jungen zu und erkannte, wie sie sagt, sofort ihr Potenzial.

Sie setzte sich für eine Zusammenarbeit mit einem Münchener Sportartikelhersteller ein und fortan produzierten die jungen Männer Sneakers, Turnschuhe. Da das Geld aus dem Verkauf voll an sie ging, können sie sich jetzt zum ersten Mal in ihrem Leben eine Wohnung und geregelte Mahlzeiten leisten. Außerdem engagierten sie einen Privatlehrer um lesen und schreiben zu lernen.

Auf Armut aufmerksam machen

Die beeindruckenden Lebensgeschichten der jungen Männer, die zum Teil schon im Kindesalter, meist aus Gründen der Armut und Gewalt in der Familie, auf der Straße landeten, haben Bart-Williams imponiert, ebenso wie die Tatsache, dass sie ohne Geld ihre Lebensfreude nicht verloren hätten. Nun habe sie keinen Spaß mehr am Shoppen, da sie wisse, wie sie mit dem Geld besser anderen Menschen helfen könne, sagt sie.

Den anderen Reichen den Spaß am Einkauf vermiesen, will sie nach eigener Aussage jedoch nicht. Lediglich die Unterschiede in den Lebensverhältnissen sollen mit der Aktion deutlich gemacht werden. Spenden für das Projekt anzunehmen, lehnt sie ab, aus Angst, die Spendenquelle könnte irgendwann versiegen. Billionen seien ohnehin schon nutzlos in den Kontinent geflossen, sagt Bart-Williams.

Nur wenn die Jungs aus Sierra Leone mit ihren Kleiderproduktionen auf dem freien Markt bestehen könnten, sei das Projekt erfolgreich, sagt Mallence Bart-Williams.