Mal ein Jahr ins Ausland? Das machen viele junge Leute. So auch die beiden Köche Max Jensen und Felix Metzger. Ihre Erlebnisse wurden nun mit der Dokumentation „Guerilla Köche“ verfilmt. Ein Gespräch mit Felix Metzger über frittierte Spinnen, asiatische Wohlerzogenheit und die Überwindung, die es kostet, einen Hund zu essen.

Herr Metzger, wie kam es dazu, dass Sie mit Ihrem Kollegen Max Jensen nach Asien „auf die Walz“ gingen?

In unserem Beruf wechselt man oft. Für Köche ist es nichts Besonderes, alle ein bis zwei Jahre in einer anderen Küche zu arbeiten. Dass man aber so ausbricht wie Max und ich, ist eher selten. Wir wollten einfach mehr sehen von der Welt, andere Erfahrungen machen, auch beruflich. So sind wir im Juni 2011 nach Bangkok gegangen und haben die thailändische Hauptstadt zu unserer Basis in Asien gemacht.

Basis?

Ja, wir haben ja 18 Praktika in acht Monaten gemacht. 18 Küchen. Das ist mehr als manche Köche in ihrer ganzen Laufbahn sehen. Wir wurden überall in Asien unglaublich herzlich aufgenommen. Wir haben in Hongkong gekocht, in Tokio, Shanghai, Singapur und Kambodscha. Dazwischen sind wir immer wieder nach Bangkok zurückgekehrt.

Abgesehen von den Zutaten, wo liegt denn der Unterschied in der asiatischen Kochkunst?

In Europa wird vielleicht effizienter und fokussierter gekocht, dafür geht es in Asien wesentlich angenehmer zu. Da schreit niemand rum. Wer dort schreit, läuft Gefahr, sein Gesicht zu verlieren. Man wird nur ernst genommen, wenn man ruhig spricht und die Stimme nicht erhebt. Es geht auch hektisch zu in asiatischen Küchen, aber die Stimmung ist nicht so aggressiv wie hierzulande.

Im Film essen Sie Taranteln und Kobra. Hat’s geschmeckt?

Ich muss gestehen, dass ich eine Spinnenphobie habe. Es hat mich aber auch sonst wirklich Überwindung gekostet, eine Spinne zu essen. Kambodscha ist ein armes Land, das darf man nicht vergessen. Taranteln gelten dort als Delikatesse. Sie werden ordentlich mit Geschmacksverstärkern gewürzt, denn sonst würden sie nach nichts schmecken. Die Beine sind ganz kross und erinnern ein wenig an Salzstangen. Beim Leib hat man das Gefühl, als würde man in eine reife Stachelbeere beißen.

Oh, mein Gott!

Ja, genau. Es ist wirklich abartig. Die Kobra, die wir im Mekong-Delta in Vietnam gegessen haben, war dagegen allerdings wirklich eine tolle Erfahrung. Sie war dick wie ein Männerarm und wurde vor unseren Augen geköpft. Das Blut wurde dann mit Schnaps vermischt und zum Essen getrunken. Das Herz bekommt immer der Gastgeber, denn angeblich stärkt es die Potenz. Das ist ein richtiges Festessen, die Kobra ist sehr teuer und kostet um die 100 Dollar. Geschmeckt hat die Schlange wie eine Mischung aus Huhn und Fisch.

Ein Klischee: In Asien isst man Hund.

Ja, haben wir auch gemacht. Das war ebenfalls eine Überwindung und wirklich schwer für mich. Aber man darf nicht vergessen, dass Asien ein ganz anderer Kulturkreis ist. In Vietnam ist der Hund kein Haustier wie bei uns, sondern wird gemästet und dann gegessen – wie bei uns das Schwein. In Saigon werden daher Hunde zubereitet wie Spanferkel. Da dreht sich eben vor der Küche auf der Straße ein Hund auf dem Spieß. Schmeckte auch gar nicht so übel, vielleicht ein bisschen wie Hammel. Aber das muss ich nicht noch mal haben. Abgesehen davon ist die asiatische Küche natürlich unglaublich vielfältig und sehr, sehr gut.

Sie sind zurück in Berlin. Wie geht es weiter?

Ursprünglich wollten wir unser eigenes Restaurant eröffnen, haben diese Pläne aber erst einmal auf Eis gelegt. Derzeit organisieren wir mit unserer Firma berlin-cuisine.com Premium-Caterings und kochen junge, deutsche Küche. Natürlich mit asiatischem Einschlag.

Das Gespräch führte Marcus Weingärtner.

„Guerilla Köche“ kommt am 19.9. in die Kinos. Am 22.9., 20.30 Uhr, zeigt das Moviemento, Kottbusser Damm 22, den Film in Anwesenheit der Protagonisten.