Berlin - Es war ein kleiner Anfang. In Lichtenberg wurde ein Container für Paketsendungen und andere Waren in eine Straßenbahn geladen, die dann mit ihm ein paar Runden drehte. Doch es könnte sein, dass eine größere Sache daraus wird: ein Logistikkonzept, das Berlin Lieferwagenfahrten erspart.

Cargo Tram - so lautet der Titel des Projekts, das in einen Feldversuch münden könnte. Frühmorgens, wenn noch nicht so viele Fahrgäste unterwegs sind, nehmen Straßenbahnen Container mit. In der Innenstadt werden die Behälter ausgeladen, Lastenräder bringen die Sendungen zu den Endkunden.

Alles schon mal dagewesen

Gütertransport mit der Straßenbahn: Neu ist das Konzept auch in Berlin nicht. Von 1917 bis 1935 wurden Postpakete mit der Elektrischen transportiert. Um Lkw-Sprit zu sparen, brachten Straßenbahnen zu DDR-Zeiten Altpapier von Mahlsdorf zu einer Verladestelle in der Köllnischen Vorstadt in Köpenick.

Inzwischen ist der Druck, die Straßen zu entlasten, größer geworden. In der Corona-Krise hat sich ein Trend, der schon vorher für Verkehrsprobleme sorgte, verstärkt: Weil immer mehr Menschen Waren im Internet bestellen, verstopfen Lieferfahrzeuge die Straßen.

Deshalb ist es eine gute Idee, wenn die BVG und ihr Partner, der Lastenradhersteller Onomotion, über ein Pilotprojekt in Berlin nachdenken. Allerdings wird es spannend sein zu sehen, ob eine Cargo Tram wirklich dazu beitragen kann, die Lage auf den Straßen zu entspannen. Was bislang diskutiert wird, sieht nicht nach großen Transportmengen aus, die für einen effizienten Betrieb wichtig wären. Wenn die BVG nach der Pandemie mehr Fahrgäste befördert, könnte der Platz in den Bahnen knapp werden.

Doch das sollte den Elan nicht bremsen. Neben Frankfurt am Main könnte Berlin eine Vorreiterrolle beim Revival der Güterstraßenbahn einnehmen. Die Stadt sollte sich diese Chance nicht entgehen lassen.