Im Laufe seiner 68 Lebensjahre hat Kurt Krieger gelernt, dass er für große Projekte viel Zeit braucht und dass er geduldig sein muss. Egal an welchem Ort im Land der Möbel-Unternehmer (Höffner, Sconto) ein neues Einrichtungshaus gebaut hat, es dauerte immer länger als zehn Jahre, ehe es tatsächlich eröffnete. „Ich bin Leiden gewohnt“, sagte Krieger mit ironischem Unterton am Freitag bei einem Rundgang über die Brache des alten Güterbahnhofs Pankow. Die Abgeordneten der Linksfraktion, Kathrin Lompscher und Udo Wolf, hatten Krieger um diesen Termin gebeten.

Eines der größten Bauvorhaben in Berlin

Pankower Tor heißt das Projekt. Auf dem 40 Hektar großen Gelände, das Krieger im Jahr 2009 gekauft hatte, will der Unternehmer für 500 Millionen Euro ein neues Stadtviertel bauen. Es ist eines der größten Bauvorhaben in Berlin. Ein riesiges Einkaufszentrum am U- und S-Bahnhof ist geplant, ebenso Kitas und zwei Schulen für bis zu 1800 Kinder, 1000 Wohnungen (ein Viertel davon haben eine Kaltmiete von 6,50 Euro pro Quadratmeter), Möbel- und Fachmärkte, sogar eine Fahrradgarage für 1000 Räder steht im Konzept. Seit sechs Jahren verhandelt Krieger mit Senat und Bezirk über seine Pläne, etliche Male wurden sie geändert. Von „dramatischen Verhandlungen“ spricht Krieger heute. Eigentlich sollte ein städtebaulicher Vertrag jetzt, also noch vor den Wahlen in zwei Wochen, abgeschlossen werden, damit das Gelände endlich entwickelt werden kann.

Vertrag ist unterschriftsreif

Doch daraus wird nichts. Kurz vor dem Ziel stoppt das Projekt. „Der Vertrag ist unterschriftsreif. Wir haben alles verhandelt, was verhandelt werden musste“, sagt Martin Pallgen, Sprecher der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Krieger sagt, das Verhandlungspaket liege auf dem Tisch.

Doch aus Rücksicht auf eine mögliche neue Koalition, die sich nach den Wahlen bilden könnte, wolle man jetzt keine Vorfestlegungen treffen, heißt es. Und so werden sich die neu gewählten Bezirkspolitiker in Pankow und eine neue Koalition im Land Berlin nach den Wahlen erneut mit Kriegers Plänen beschäftigen.

Und sie womöglich wieder ändern. Denn niemand weiß, ob die bisher geregelten Punkte dann noch Bestand haben, ob alte Debatten über Wohnungsbau, Einzelhandel und Autoverkehr nicht neu geführt werden. Er sei sich da nicht sicher, sagt Krieger. Der Senat habe sich in vielen Dingen schwergetan.

Einkaufszentrum erst abgelehnt, dann genehmigt

So lehnte Berlin jahrelang Kriegers Wunsch nach einem großen Einkaufscenter ab. Eine 30.000 Quadratmeter große Shopping-Mall soll am U- und S-Bahnhof Pankow entstehen. Als viel zu groß bewertete der Senat zunächst das Zentrum – und gewährte lediglich 20.000 Quadratmeter. Erst Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) sprach sich für ein Einkaufscenter nach Kriegers Vorstellungen aus, schließlich steigen die Bevölkerungszahlen in Pankow. Im Vertrag ist nun keine konkrete Zahl genannt, die Größe wird mit 20.000 bis 30.000 Quadratmeter angegeben.

Schulneubau plötzlich umstritten

Plötzlich umstritten ist der Schulneubau auf der westlichen Seite. Bisher galt als sicher, dass auf dem etwa 50.000 Quadratmeter großen Areal an der Autobahnauffahrt eine Sekundarschule für bis zu 1200 Schüler gebaut wird. Der denkmalgeschützte Lokschuppen könnte zur Aula werden. Pankow braucht dringend neue Schulen, das Land Berlin könnte das Gelände von Krieger, der zuvor dort mögliche Altlasten entsorgen wird, kaufen und als Schul-Campus nutzen. Doch in der Schulverwaltung gibt es Zweifel, ob das Gelände an der Autobahn wegen Autolärm und Abgasen als Schulstandort wirklich geeignet sei.

Kurt Krieger bleibt trotz der erneuten Verzögerung gelassen. „Dann dauert es eben länger“, sagt er und erzählt wieder von seinen Möbelhäusern, von denen einige erst nach 16 oder 17 Jahren Planungszeit eröffnen durften.