Berlin - Fast englisch muten die Häuschen an der kopfsteingepflasterten Cordesstraße in Grunewald an: roter Backstein, kleine Gärtchen. Doch in den denkmalgeschützten Eisenbahnerhäusern wohnt keiner mehr, sie sind entmietet worden. Denn Kurt Krieger, einer der ganz Großen der Branche, will sein Imperium erweitern und auf dem Gelände des früheren Güterbahnhofs ein Höffner-Einrichtungshaus und einen Sconto-Markt bauen. Das 14,5 Hektar-Areal hat er von der Bahn gekauft.

Mit einem Höffner-Möbelhaus in der Weddinger Pankstraße und dem Krieger-Kaufhaus in der Genthiner Straße in Tiergarten hat alles begonnen. Inzwischen gehören Kurt Krieger deutschlandweit 49 Möbelhäuser und Discount-Märkte. Zunehmend sichert er sich Flächen, vor denen andere Investoren zurückschrecken – wegen zu hoher Investitionskosten, wegen der Schwierigkeit der Bebauung und wegen Problemen mit dem Denkmalschutz. Allein in Berlin hat die Krieger-Gruppe zwei ehemalige Güterbahnhöfe erworben. Auch in Duisburg besitzt das Unternehmen große Teile des früheren Güterbahnhofs. Überall plant Krieger Möbelhäuser – mit gewissen Extras. In Pankow will er ein Einkaufszentrum dazu stellen, in Grunewald einen Golfplatz mit Driving Range.

Umstrittenes Projekt

Doch besonders das Projekt in Grunewald ist umstritten. Eine Bürgerinitiative fordert eine nachhaltige Planung, die die Nutzung der alten Eisenbahngebäude einschließt. Das Bezirksparlament von Charlottenburg-Wilmersdorf hat Ende November 2011 Kriegers bisherige Bebauungspläne „als nicht umsetzbar“ bezeichnet. Geprüft werden solle auch eine Wohnbebauung. In Pankow sind dagegen Bezirk und Bezirksparlament vom Krieger-Projekt angetan, im Kooperationsvertrag von SPD und Bündnisgrünen wird es sogar als von „herausragender Bedeutung“ bezeichnet. Doch der Senat lehnt das Einkaufszentrum auf dem Standort bisher noch ab, weil es nicht zum Stadtentwicklungsplan Zentren passe.

Doch Kriegers Philosophie ist seit jeher Geben und Nehmen. Er hat Grünflächen in Städten geschaffen, wo er Möbelhäuser errichtete, und Autobahnzubringer auf eigene Kosten gebaut, wie in Schöneberg, wo die Firma ein Möbel-Kraft-Kaufhaus unterhält. In Pankow will er Gelände für eine dringend benötigte Schule bereitstellen, einen Park und Gehwege anlegen. Auch für das Grunewald-Projekt sind Zugeständnisse zu erwarten. Vor kurzem war Kurt Krieger schon mal beim neuen Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann und Baustadtrat Marc Schulte (beide SPD). Und im Januar soll es auch ein Treffen mit der Bürgerinitiative geben.

Langer Atem

„Man kann über alles reden“, sagt Michael Kollmann, Leiter Unternehmensexpansion. Alles sei lösbar. „Von dem geplanten Discount-Markt haben wir uns innerlich schon verabschiedet.“ Er sagt aber auch: „Möbel und Einzelhandel sind die Standbeine der Krieger-Gruppe.“

Auch wenn es noch kein grünes Licht für Pankow und Grunewald gibt – Kurt Krieger ist für seinen langen Atem bekannt. Bis zur Eröffnung seines jüngsten Hauses in Hamburg-Eidelstedt hat es laut Kollmann 17 Jahre gedauert: „In Berlin steht alles noch am Anfang“, sagt er. Stadtrat Schulte rechnet ebenfalls „mit einem längeren Verfahren“ für das Areal in Grunewald. Der Bezirk werde dabei auch das Gespräch mit dem Senat suchen: „Der muss sich nämlich fragen, ob Berlin nicht inzwischen genug Möbelhäuser hat“, sagt Schulte.