Der bayerische Autokonzern BMW will nach dem heftigen Streit über das "BMW Guggenheim Lab" sein ramponiertes Image in der deutschen Hauptstadt entscheidend verbessern. Das Engagement in Berlin sei für das Unternehmen zu wichtig, um im Konflikt zu enden, sagte der Leiter der BMW-Markenkommunikation, Uwe Elbinghaus, der Berliner Zeitung. Die BMW Group, Sponsor des aus Kreuzberg von Bürgerinitiativen vertriebenen Stadtpolitik-Forums "BMW Guggenheim Lab", werde sich daher in Berlin dauerhaft engagieren, und zwar gerade im Kultur- und Sozialbereich. "Wir sind gekommen, um zu bleiben", sagte Elbinghaus.

Zentrales Projekt der konzernweit angelegten "soziokulturellen Marken-Strategie" (Elbinghaus) ist ein neues Forum für Kunst, Kultur und Nachbarschaft auf dem Pfefferberg in Prenzlauer Berg: das "BMW Social Arthouse Pfefferberg".

Guggenheim-Lab ist nur der Anfang

Es entsteht genau dort, wo das umstrittene "Lab" – ein mobiler Veranstaltungsort zum Thema Großstadt mit neun Stationen in aller Welt – Ende Mai öffnet. "Das mobile Lab ist in Berlin nur der Auftakt", sagte Marketingmann Elbinghaus. Das "BMW Social Arthouse Pfefferberg" soll noch vor der Sommerpause mit einer Anschubfinanzierung von 3,5 Millionen Euro starten. Träger sind BMW, der Bezirk Pankow und die Pfefferwerk Stiftung.

Das Arthouse werde Raum bieten für Events, Ausstellungen und Performances, aber auch für Bürgerforen, Diskussionen und sogar Stadtteilfeste, erklärte Elbinghaus. Platz genug gibt es in jedem Fall: Nach Angaben der Pfefferwerk Stiftung stehen auf dem alten Brauerei- und Fabrikgelände an der Schönhauser Allee noch fast 10.000 Quadratmeter für neue Nutzer zur Verfügung.

Gute bajuwarisch-berlinische Tradition

Der Pfefferberg ist laut Elbinghaus für den Konzern aus Bayern schon daher ideal, weil die Location ursprünglich von einem bayerischen Braumeister namens Pfeffer gegründet worden war, im Jahr 1841. "Wir schließen so an eine gute bajuwarisch-berlinische Tradition gegenseitiger Gastfreundschaft an" sagte Elbinghaus. "Wir sind kein Fremdkörper mehr." Das Unternehmen war in der Hauptstadt zuvor unter Druck geraten, weil Anwohner- und Künstlerinitiativen in Kreuzberg massiven Protest gegen das "Lab" organisiert hatten.

Sie befürchteten einen Aufwertungsschub ("Gentrifizierung") ihres Kiezes durch das von der renommierten Guggenheim Stiftung organisierte Projekt, das von Ende Mai bis Ende Juli in Berlin Station macht. BMW sei ein Profiteur von Arisierungen zur NS-Zeit gewesen, habe Zwangsarbeiter beschäftigt und drücke auch heute mit Leiharbeit die Löhne, lautete die Kritik. "Wir haben verstanden", sagte PR-Profi Elbinghaus. BMW wolle unter Beweis stellen, dass man "gesellschaftliche Verantwortung" übernehme.

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Pankow profitiert stark

Auch der Bezirk Pankow wird daher in bisher ungekanntem Ausmaß profitieren. "Glaubwürdigkeit ist immer auch eine Frage des Geldes", betonte der BMW-Marketingchef. Mit dem Bezirksamt habe man sich auf die verlässliche Bezuschussung mehrerer Projekte für zunächst zehn Jahre geeinigt.

So soll etwa der Bezirkskulturetat in Höhe von 1,5 Millionen Euro übernommen werden. Pankow wird damit mittelfristig keine Bibliotheken, Jugendkultureinrichtungen oder Galerien schließen müssen, wie noch vor kurzem befürchtet.

Auch das Problemprojekt Mauerpark-Erweiterung, das der Bezirk nicht bezahlen kann, wird der Konzern offenbar schnell lösen: BMW zahle an die Allianz-Umweltstiftung die geforderte Summe von 2,25 Millionen Euro, um zunächst "den Druck aus der Debatte zu nehmen", wie Elbinghaus sagte.

"BMW-Mauerpark"

Bis Jahresende wolle man mit den Investoren der CA Immo, die am Mauerpark lukrative Eigentumswohnungen bauen wollen, über einen Grundstückskauf einig sein. CA Immo verlangt zehn Millionen Euro für das zehn Hektar große Areal, das dank BMW künftig komplett dem Park zugeschlagen werden kann. "Zehn Millionen Euro sind für uns keine wirklich relevante Summe", sagte Elbinghaus und verwies auf den Rekordgewinn der BMW Group von 4,9 Milliarden Euro im Jahr 2011 – vor Steuern. Einzige Bedingung des Konzerns: Die Grünanlage solle künftig "BMW-Mauerpark" heißen.

Unklar ist derzeit, ob es auch gelingen kann, das sogenannte Clubsterben in Prenzlauer Berg mit Hilfe von BMW zu beenden. Die Ingenieure des Autobauers hätten sehr viel Erfahrung mit Lärmdämmung, sagte Elbinghaus, wenn auch bisher nur bei Motoren und beim Arbeitsschutz. Sollten sich die bei BMW entwickelten Technologien auch für Immobilien eignen, gebe es keine Probleme mehr mit Veranstaltungslärm im dicht besiedelten Kiez.

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"BMW-Klub der Republik"

Es sei nicht ausgeschlossen, erklärte Elbinghaus, dass auf diese Weise auch bereits geschlossene Clubs wie das Icon (Cantianstraße), der Klub der Republik (Pappelallee) und sogar das Knaack (Greifswalder Straße) wieder an ihren alten Standort zurückkehren könnten. Auch in diesem Fall wolle sein Unternehmen keine weitere Gegenleistung als den Sponsor im Club-Namen auftauchen zu lassen – also etwa "BMW-Klub der Republik". Die Markenbotschaft solle gerade nicht aufdringlich wirken, sagte Elbinghaus.

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