Berlin - #image
Die Kreuzberger Gegner des BMW Guggenheim Lab finden, dass ihr Protest gegen das Projekt ein voller Erfolg war. „Lasst uns die Absage des ‚Lab‘ gemeinsam feiern!“, jubelten sie am Dienstag auf ihrer Internetseite unter der Überschrift: „Tschüss BMW-Gentrifizierungs-Lab!“

Ein Zusammenschluss aus Mieterinitiativen im Wrangelkiez sowie Künstlergruppen und Aktivisten von „Mediaspree versenken“ hatte am Montag dazu aufgerufen, das zwei Monate dauernde Projekt des Guggenheim Museums New York und des Autokonzerns BMW am Spreeufer in Kreuzberg zu verhindern. Ihr Protest richtete sich gegen die drohende Gentrifizierung und gegen den Autohersteller.

#textline0

Die Guggenheim Stiftung in New York hat daraufhin ihr Vorhaben am Kreuzberger Spreeufer „aufgrund der hohen Gefährdungseinstufung seitens der Polizei und lokaler Behörden“ gestoppt, so die Begründung. „Diese Entscheidung wurde in Folge von Drohungen gegen das Projekt getroffen“, heißt es in einer Erklärung der Stiftung.

Staatsschützer fürchteten Farbbeutel

Zuständig für Gefährdungsbewertungen ist ein Dezernat in der Abteilung Staatsschutz des Landeskriminalamts. Es empfahl den Organisatoren des BMW Guggenheim Lab in der vergangenen Woche, einen nächtlichen Wachschutz für das Gelände an der Schlesischen Straße, Ecke Cuvrystraße zu engagieren. Dort sollte das Lab, eine 30 Meter lange Freiluftkonstruktion, für Gespräche, Diskussionen und Ausstellungen rund um das Thema „Zukunft der Stadt“ und „Confronting Comfort“ errichtet werden. Wissenschaftler, Architekten und Künstler sollten dort auftreten, Workshops und Diskussionsrunden sollte es geben. Staatsschützer befürchteten jedoch, Gegner des Projekts könnten das Lab beschädigen, mit Steinen oder Farbbeuteln bewerfen. Der Staatsschutz ging allerdings nicht davon aus, dass Personen angegriffen werden sollten. „Wir wissen, wie Objekte angegangen werden, die in Zusammenhang mit Gentrifizierung gebracht werden. Es besteht die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Objekt Ziel von Aktionen wie Sachbeschädigungen oder Veranstaltungsstörungen wird“, sagt Polizeisprecher Stefan Redlich.

#textline1

Gefährdungsanalysen sind für den Staatsschutz eine alltägliche Arbeit. Mehr als 1 000 Bewertungen erarbeiten die Mitarbeiter jedes Jahr, etwa über Politiker, Unternehmen und Veranstaltungen. Diese Bewertungen erfolgen auf Eigeninitiative der Polizei. Dabei sammeln die Beamten alle Informationen, die sie bekommen können. Sie lesen auch, was im Internet geschrieben steht. Wird dort zum Beispiel eine Person oder ein Objekt „thematisiert“, wie es im Polizeijargon heißt, wendet sich die Polizei an die betreffenden Personen, um Schutzmaßnahmen zu empfehlen.

Wowereit bittet die Guggenheim-Stiftung, in Kreuzberg zu bleiben

So war es auch beim Guggenheim Lab. Im Internet fanden Polizisten den Videomitschnitt einer Veranstaltung von Anfang März, auf der ein Guggenheim-Vertreter das Projekt am Spreeufer vorstellt und bei der Besucher laut protestieren. Aufmerksamkeit erregten auch Pläne, die 8 400 Quadratmeter große Brache am Spreeufer zu besetzen, am 7. April sollte eine Kundgebung stattfinden. Nach der Analyse sprach die Polizei mit den Organisatoren, empfahl ihnen aber nicht, das Projekt abzusagen.

#textline2

Guggenheim reagierte dennoch: „Wir befürworten eine lebhafte Diskussion, können aber das Risiko gewalttätiger Übergriffe nicht eingehen, wie sie von einer kleinen Minderheit angekündigt werden.“
Die Guggenheim-Stiftung betont, ihr mobiles Forschungslabor „an einem neuen Standort“ anzusiedeln. Wo, steht aber noch nicht fest. Projektbeteiligte halten einen Rückzug auf den einst favorisierten Pfefferberg in Prenzlauer Berg für unwahrscheinlich. „Der bauliche Aufwand ist dort sehr hoch“, heißt es. Und die Zeit wird knapp.

Am 24. Mai will das Labor in Berlin als eines in weltweit neun Städten eröffnen. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) bittet die Guggenheim-Stiftung, in Kreuzberg zu bleiben.