Seit neuestem hängen die Kästen zur Kaugummi-Prävention an vielen Orten Berlins. 
Foto: Andreas Klug

Berlin Es gibt zwei Dinge, in die beim Flanieren durch die Stadt wohl niemand gern tritt: Hundekot und Kaugummis. Doch während es für Hundehalter Tüten-Spender gibt, sind Berlins Plätze noch immer von dreckig-schwarzen Flecken gesäumt, verursacht durch platte Kaugummis. Nun scheint eine Lösung gefunden: Die Kästen von „Gum Wall“ wollen die Gummi-Flut eindämmen – mit bunten Bildchen und Psychologie.

Bereits 25 Boxen hängen an ausgewählten Orten. Kaugummi-Kauer sollten ihre ausgelutschten Gummis, anstatt sie auf die Straße zu werfen, auf eins der bunten Bildchen kleben, mit denen die 54 Zentimeter hohen und 26 Zentimeter breiten Kästen verziert sind. Erfinder Klaus Götz setzt auf Psychologie. „Es ist ein Phänomen, aber wir haben keinen Platz in Europa gefunden, an dem die Idee noch nicht funktioniert hat“, sagt er.

,,Gum Wall“ setzt auf Psychologie und Spiel

„Die Aufforderung, den Gummi auf ein buntes Bild zu kleben, hat etwas Spielerisches. Und zugleich werden Passanten dadurch, dass sie auf Augenhöhe mit ekelhaften Kaugummis konfrontiert werden, zum Nachdenken über ihren Müll sensibilisiert.“ Götze erfand die „Gum Wall“, weil er selbst genervt war vom Klebe-Dreck. „Ich komme aus Heidelberg – und trat vor viereinhalb Jahren in einen Kaugummi. Erstmal dachte ich: Kann man das nicht wegmachen?“ Leider nein, ergaben seine Recherchen.

Klaus Götz, Erfinder der "Gum Wall".
Foto: Andreas Klug/ camcop media

„Ich stellte fest, dass es keine Firma auf der Welt gibt, die etwas für die Kaugummi-Prävention erfunden hat. Es wird erst dann aufwendig gereinigt, wenn die Verschmutzung da ist.“ 2012, sagt Götze, habe es eine Hochrechnung gegeben: Kommunen gaben demnach 960 Millionen Euro für das Entfernen von Kaugummiresten aus. „Und das muss wirklich nicht sein“, sagt er. Also baute der Schlosser einen ersten Kasten aus Holz. Inzwischen sind die Boxen aus Metall und in sechs Ländern vertreten. Großstädte setzen auf die Idee.

Gute Bilanz bisheriger Tests 

Beispiel Stuttgart: Hier probierte man sie 2018 am Flughafen aus. „Sie werden gut angenommen“, sagte Sprecher Johannes Schumm. Die Verschmutzung ging zurück. Die BSR betreute Test-Standorte am Alex, in der Wilmersdorfer Straße und am Breitscheidplatz. „Der Test verlief insgesamt positiv. Wir werden daher die bestehenden 25 Gum Walls in den Regelbetrieb übernehmen“, teilte BSR-Sprecher Sebastian Harnisch auf Nachfrage der Berliner Zeitung mit. Bezüglich weiterer Standorte werde das Gespräch mit den Bezirken gesucht.

Für die Stadtreinigung könnten die Kästen eine Bereicherung sein. „Die festgeklebten Kaugummis lassen sich weder mit Besen noch Kehrmaschine ausreichend beseitigen“, sagt Harnisch. Nur Hochdruckreiniger können helfen, sie dürfen aber am sandverfugten Straßenpflaster nicht eingesetzt werden. „Es ist ein gleichbleibend großes Problem für die Stadtsauberkeit, dass immer noch viele Menschen – wahrscheinlich aus Bequemlichkeit – ihre Kaugummis achtlos auf den Boden spucken.“ Er appelliert an die Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger. Das Wegwerfen von Kaugummis wird übrigens, wie auch bei Zigarettenkippen, mit einem Bußgeld von 120 Euro geahndet.