Gut Hammer-Liebenwalde: 40 Liebenwalder Milchkühe freigelassen - mit tödlichen Folgen

In der Brandenburger "Gut Hammer-Liebenwalde GmbH" werden 300 Milchkühe und 600 sonstige Rinder gehalten. Alle nach ökologischen Standards, die Tiere werden täglich auf die Weide gelassen.

In der Nacht von Samstag auf Sonntag haben Unbekannte Milchkuh- und Jungviehställe geöffnet, so dass hunderte Tiere frei über das Gelände laufen konnten. Dadurch kamen die Tiere an sogenanntes Kraftfutter heran, eine Getreidemischung. In kürzester Zeit haben einzelne Tiere bis zu 10 Kilogramm davon gefressen, eigentlich bekommen sie von dem Spezialfutter nur zwei Kilogramm pro Tier und Tag. Für Wiederkäuer eine tödliche Gefahr. Die Folgen sind verheerend.

Darum sterben Kühe nach zu viel Kraftfutter

Bisher sind vier Kühe an der Überdosierung gestorben, 40 Kühe liegen mit einer Stoffwechselstörung flach und müssen tierärztlich behandelt werden. Sie leiden an einer sogenannten schweren Pansenazidose. Anja Schiemann, Geschäftsführerin der Liebenwalder Agrar GmbH befürchtet, dass noch weitere Tiere sterben werden. „Die Leberschäden sind einfach zu groß“. 

„Zu viel Kraftfutter“, so erklärt Schiemann, „führt dazu, dass das Verdauungssystem im Pansen empfindlich gestört wird.“ Es komme zu einer Übersäuerung im Pansen, was wiederum zum Absterben lebenswichtiger Bakterien führt. Die Folge sei eine Vergiftung der Leber. 

Haben Tierschützer die Tiere freigelassen?

Geschäftsführerin Anja Schiemann weiß nicht, wer die Tiere freigelassen hat. Die Polizei sucht nach den unbekannten Tätern. Auf jeden Fall sei der Täter sehr planvoll vorgegangen. "Der wollte genau das!", so Schiemann. Die Stallungen wurden geöffnet und so blockiert, dass die Wege für die Tiere offen bleiben mussten. „Der hat sich die Schuhe dreckig gemacht. Das war kein betrunkener Dummejungenstreich.", glaubt die Geschäftsführerin. 

In Medienberichten und in Sozialen Netzwerken wird gemutmaßt, dass Tierschützer hinter der Aktion stecken könnten. Die Agrar GmbH hat für Hinweise eine Belohnung in Höhe von 1000 Euro ausgesetzt. Die Gut Hammer Liebenwalde Agrar GmbH ist Bestandteil der Liebenwalder Agrar GmbH. 

Für den Betrieb hat diese Aktion auch wirtschaftliche Folgen. Die kranken Kühe müssen auf Diät gesetzt werden, bekommen auf unbestimmte Zeit nur Heu zu fressen. Die Dürre im Sommer hat für eine schlechte Heuernte gesorgt. Die Heuvorräte waren für den Winter gedacht und müssen nun schon im Spätsommer angebrochen werden. Im Winter wird der Betrieb das Heu teuer zukaufen müssen. 

Durch die Diät geben die Kühe auch weniger Milch. Der Liebenwalder Betrieb produziert erst seit zweieinhalb Jahren Bio-Milch. Den Gesamtschaden kann Anja Schiemann noch nicht beziffern.