Wenn es nach manchem Architekten gegangen wäre, hätten am ehemaligen Grenzübergang Checkpoint Charlie bis zu 90 Meter hohe Hochhäuser in den Himmel wachsen sollen. Doch so weit soll es nun doch nicht kommen.

Im Verfahren um die künftige Gestaltung des ehemaligen Kontrollpunkts hat sich das eingesetzte Obergutachtergremium für eine zurückhaltendere Bebauung ausgesprochen. Danach soll eine Maximalhöhe von „zirka 60 Metern“ gelten. Das teilte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung am Dienstag mit.

Höhenbegrenzung auf 60 Meter

Keiner der sieben eingereichten Entwürfe soll demnach als Grundlage für die Bebauung dienen. Die Vorschläge der Architekten sind aber in die Empfehlungen der Gutachter eingeflossen. Die Höhenbegrenzung auf 60 Meter ist nicht das einzige Ergebnis. Das Gutachtergremium verständigte sich zudem darauf, dass die ehemalige Grenzübergangsstelle „in ihrer Tiefe entlang der Friedrichstraße“ veranschaulicht werden soll.

Sowohl im Westen wie auch im Osten der Friedrichstraße soll außerdem eine Freifläche gesichert werden, die den Blick auf die Brandwände der Mauerstraße 93 und der Zimmerstraße 79/80 zulässt. Grund: Die Brandwände gelten als markante Zeugnisse der Teilung Berlins.

Mauerverlauf bleibt erkennbar

Der Bereich der sogenannten Mauertaschen soll ebenfalls von einer Bebauung freigehalten werden. Unter Mauertaschen sind etwas zurückversetzte Flächen an der Kreuzung Friedrichstraße/Zimmerstraße zu verstehen. In diesem Bereich standen die Schlagbäume am Grenzübergang nicht direkt in der Flucht der Mauer, sondern nach hinten versetzt – mit schmalen Beeten rechts und links und einer niedrigeren Mauer.

So gab es eine Art kleinen Vorplatz, damit der Eingang für Ausländer in die Hauptstadt der DDR nicht so bedrohlich aussah. Der versetzte Verlauf der Mauer wird heute durch Pflastersteine im Boden markiert und soll auch künftig erkennbar bleiben.

Skulptural und expressiv 

Architektonisch soll die geplante Bebauung auf der West- und der Ostseite der Friedrichstraße „miteinander korrespondieren“, heißt es. Das geplante Museum, das an die Geschichte des Ortes sowie des Kalten Krieges erinnern soll, wünschen sich die Gutachter als „öffentlichkeitswirksamsten Teil des Raumprogramms“.

Das Haus soll mit seinem Eingang „skulptural und expressiv gestaltet werden, um seine Auffindbarkeit zu erhöhen und die Besonderheit des Ortes zu unterstreichen“. Das Museum soll deswegen eine ausreichend große Fläche als Vorplatz erhalten. Die Bebauung auf der Ostseite der Friedrichstraße soll „zurückhaltender und weniger expressiv gestaltet sein“. Dort plant der Investor Trockland bisher ein Hard-Rock-Hotel.

Lompscher ist mit dem Ergebnis zufrieden

Auf den Dächern der Neubauten können nach Ansicht der Obergutachter öffentlich zugängliche Flächen entstehen. In dem Obergutachtergremium saßen Vertreter von Trockland, der Bezirke Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg, Architekten und Vertreter der Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung und Kultur.

Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) zeigte sich am Dienstag mit dem Ergebnis des Verfahrens zufrieden. Es sei sehr hilfreich, dass sich das Gutachtergremium auf entscheidende Qualitätskriterien verständigt habe, sagte sie. Diese „Kernvorgaben“ müssten nun von den am Verfahren Beteiligten, von Bürgern sowie Abgeordneten diskutiert und gegebenenfalls ergänzt werden, um „eine belastbare Grundlage für die nächsten Planungsschritte zu erreichen“.

Investor sieht „gute Basis“

Trockland-Chef Heskel Nathaniel bezeichnete das Verfahren als „wichtigen Meilenstein“. Er sagte: „Wir sind mit den Ergebnissen sehr zufrieden.“ Sie seien „eine gute Basis für den anstehenden Realisierungswettbewerb“. Es habe sich gezeigt, dass alle Belange machbar und die Wünsche der verschiedenen Akteure umsetzbar seien.

Trockland will am Checkpoint Charlie neben dem Hotel Büros, Geschäfte und Wohnungen bauen. Außerdem soll das Museum entstehen, das an die Geschichte des Ortes und des Kalten Kriegs erinnert. Nach dem Mauerfall hatte Berlin die Flächen am Checkpoint Charlie verkauft. Statt der geplanten fünf Gebäudeblöcke für ein American Business Center wurden jedoch nur drei realisiert. Die übrigen Grundstücke landeten beim Insolvenzverwalter.

Miete von 25 Euro je Quadratmeter

Trockland erwarb später die auf den Flächen lastenden Grundschulden – und ließ sich als Erwerber im Grundbuch vormerken. Das Land Berlin hat für die Flächen aber ein Vorkaufsrecht. Einige Stadtplaner und Architekten fordern deswegen, dass Berlin die Grundstücke zurückkaufen sollte.

Zu Kritik führen diverse Absprachen des Landes Berlin mit Trockland, die vor dem städtebaulichen Verfahren getroffen wurden. Dazu gehört eine Absichtserklärung, in der festgelegt ist, dass Berlin für die Museumsflächen eine durchschnittliche Miete von 25 Euro je Quadratmeter zahlt.