Eine Demonstrantin auf einer Anti-Corona-Demonstration
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BerlinWesentlich weniger Menschen als noch vor ein paar Wochen zeigen sich besorgt über eine mögliche Infektion mit dem Coronavirus. Das vermeldete die ARD am Freitag. Und blickt man auf das Wochenende, so scheint es, als ob in Berlin kaum noch jemand Angst hat, sich anzustecken.

Mehrere Demonstrationen sind geplant: Auf dem Alexanderplatz wollen Menschen unter dem Motto „Black Lives Matter“ zusammenkommen, um für die Gleichberechtigung der Schwarzen zu demonstrieren. Ein paar Kilometer weiter, im Westteil der Stadt, wollen Schwule, Lesben und Menschen mit Trans-Identität unter dem Motto „Berlin Pride“ an die Straßenschlachten in der New Yorker Christopher Street 1969 erinnern und ebenfalls für Gleichberechtigung demonstrieren, während ab 14 Uhr in der Bernauer Straße für freie Wahlen in Belarus demonstriert werden soll.

Das alles ist wichtig und richtig. Von den Veranstaltern der Demo auf dem Alex wird auf die Maskenpflicht verwiesen und beim Mini-CSD in Schöneberg soll die Teilnehmerzahl unter 1000 bleiben. Am Freitag wurde der erweiterte Mauerpark eröffnet. Wenn das Wetter mitspielt, wird da am Wochenende auch eine ordentliche Anzahl an Menschen zusammenkommen. Ich kann verstehen, dass man für seine Belange auf die Straße geht und gehört werden will und muss. Trotzdem verstehe ich diese Sorglosigkeit nicht.

Vor ein paar Tagen hörte ich zwei Männern zu, die sich über die Wahlkampfveranstaltungen des amerikanischen Präsidenten echauffierten, über die Masse seiner Anhänger ohne Mundschutz und über Donald Trump, der sich über das Virus lustig machte. Als die Männer sich voneinander verabschiedeten, verabredeten sie sich noch für die Demo auf dem Alex am Sonnabend. Die Redewendung vom Messen mit zweierlei Maß bekommt in diesen Tagen eine ganz neue Bedeutung.