Gute Vorsätze in 3...2...1...
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Gesünder essen

Es bietet sich ja irgendwie an, nach der ganzen Weihnachtsvöllerei mit Gänsebraten, Stollen und anderen Schweinereien sein Gewissen zu beruhigen und am Silvesterabend vollmundig zu bekennen, im neuen Jahr weniger Fleisch, mehr Gemüse und fettarm zu essen. Der Vorsatz gilt freilich nicht, bevor nicht das Silvesterfondue und der Raclette-Käse vertilgt sind. Weniger essen, das klappt genau einen Tag lang, nämlich am Neujahrstag, wenn der Kater den Appetit lahmlegt. Aber schon am 2. Januar sind sie wieder da, die leckeren Versuchungen und der Hunger darauf

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Nicht mehr rauchen

Der tiefere Sinn des Vorsatzes, mit dem Rauchen aufzuhören, besteht nicht etwa darin, mit dem Rauchen aufzuhören, sondern darin, vom Scheitern dieses edlen Ansinnens berichten zu können. Mithin dient die silvesterlich verkündete Entsagung von der bösen Nikotinsucht gar nicht der eigenen Gesundheit. Sie ist eine Form der sozialen Kontaktpflege, ein Gesellschaftsspiel, das uns mit der Einsicht beruhigen soll, wie sehr alles menschliche Wollen mit Vergeblichkeit geschlagen ist. Das hat nämlich etwas ungemein Verbindendes, Tröstliches. Traurig, aber wahr.

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Etwas Verrücktes tun

Nicht nur Gefängnisinsassen hegen Ausbruchsfantasien. Auch und gerade der Alltag mit seinen bedrückenden, unsere Lustgewinnerwartung dauerenttäuschenden Selbstkasteiungsroutinen stellt sich in der uns eigenen hyperegozentrischen Perspektive als Gefängnis dar. Doch sind die Ausbruchsfantasien des Otto-Normal-Spießers, also von uns allen, zumeist mit der Vorstellung eines satten Lottogewinns oder zumindest einer zuträglichen finanziellen Absicherung verbunden. Ein Vollkaskoausstieg nach dem Vorbild der Pauschalreise. Und der führt nicht weit.

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Mehr Sport treiben

Hochmotiviert und mit zwickender Hose geht es ins neue Jahr. In den Fitnessstudios wird es im Januar eng an der Hantelbank, die Anmeldezahlen steigen. Doch bald darauf dünnt es wieder aus – keine Zeit, keine Kraft, und irgendwie sind Muckibuden ja auch doof. Ausreden sind schnell gefunden, genauso schnell wie Ersatzhandlungen. Geht man eben joggen, wenn’s nur nicht so schlecht für die Knie wäre. Oder schwimmen, aber Chlorwasser geht gar nicht. Oder Yoga, das wär doch was. Nur bitte nicht mehr dieses Jahr, das nehmen wir uns für 2021 vor.

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Digital Detox

Ich bin dann mal offline: In Zeiten permanenten Bildschirmstarrens wird es immer beliebter, digital zu entgiften. Oder dies zumindest großspurig anzukündigen. Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage zu guten Vorsätzen für 2019 will jeder Zweite zwischen 14 und 29 Jahren Handy, Computer und Internet weniger nutzen. Besonders gern bekannt gegeben wird der letzte Klick auf den Selbstdarstellungsplattformen Instagram, Twitter, Facebook und Co. Um hinterher klammheimlich aufs Smartphone zu schielen und mitzuzählen: Wer hat alles schon „Gefällt mir“ gedrückt

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Beruflich kürzer treten

Eines vorweg: Wer emotional erschöpft ist und an einem Burn-out-Syndrom leidet, muss sein Leben vollkommen ändern – es droht Lebensgefahr! Wer dagegen nur „beruflich etwas kürzer“ treten möchte, will sein Leben nur ein wenig schöner machen. Und uns ansonsten erzählen, was für ein unverzichtbarer, knallbeschäftigter, überfleißiger Leistungsträger er/sie doch ist. Unverbindlich über die Work-Life-Balance zu schwadronieren, gehört da zum guten Ton und heischt nach der Anerkennung, die im Büro offenbar niemand zu geben bereit ist. Don’t cry – work!