Berlin - Immerhin: Eine mit historischen Motiven beklebte S-Bahn, die am Donnerstag vorgestellt wurde, erinnert an den Jahrestag. Doch eine Feier planen die S-Bahn und der Senat nicht. Dabei wäre das angebracht, denn es handelt sich um ein stattliches Jubiläum und um eine wichtige Jubilarin. Vor 150 Jahren, am 17. Juli 1871, gingen die ersten 25 Kilometer der Berliner Ringbahn in Betrieb. Die Strecke zwischen Moabit, dem heutigen Ostkreuz und Schöneberg führte damals noch durch Felder und Wiesen. Am 18. November 1877 war die Strecke ohne Ende dann komplett. Schon bald wurde die 37 Kilometer lange Trasse eine der bedeutendsten Strecken für den Hauptstadt-Verkehr. Heute sind allein mit den Zügen der sechs S-Bahn-Linien, die an 27 Stationen halten, täglich mehrere hunderttausend Menschen unterwegs. Nicht immer war so viel los.

Als der S-Bahn-Ring brach lag. Kaum vorstellbar, dass die S-Bahnen im Westen Berlins auch auf dem Ring einst fast leer über die Gleise polterten. Doch es war so, viele Jahre lang. Wer im 1981 erschienenen Berlin-Klassiker „Stadtbahn-Bilder“ von Alfred Behrens und Volker Noth blättert, wird erstaunt sein: Fahrgäste sind auf den Fotos kaum zu sehen, neben den verlorenen wirkenden alten Zügen wuchert üppiges Grün. Bis 1984 wurde die S-Bahn auch in West-Berlin von der Deutschen Reichsbahn der DDR betrieben, und es gab immer wieder Boykottaufrufe: „Meidet die sowjetzonale S-Bahn!“ Die BVG richtete auf der Stadtautobahn parallel zum Ring Buslinien ein. Nach dem Reichsbahnerstreik 1980 nahm man den S-Bahn-Verkehr auf dem gesamten Ringabschnitt im Westen Berlins zwischen Gesundbrunnen, Westkreuz und Sonnenallee nicht wieder auf. 1993 wurde mit Westend-Neukölln ein erstes Teilstück wieder belebt. Komplett war der Vollring erst wieder 2002 – 41 Jahre nach der Trennung in zwei Teile.

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