Berlin - Nun fordern Berliner Schuldirektoren, dass beim Zugang zum Gymnasium wieder allein die Noten entscheiden sollen, ein Numerus clausus soll her.Der Zeitpunkt ist gut gewählt. Derzeit sind Eltern aufgerufen, ihre Kinder an den 7. Klassen der  gewünschten Oberschule anzumelden. Die Berliner Gymnasialschulleiter haben  nun aber so deutlich wie noch nie klar gemacht, dass sie das derzeit geltende Oberschul-Aufnahmeverfahren für unsinnig halten. Die Schuldirektoren kritisieren insbesondere, dass an besonders nachgefragten Gymnasien und Sekundarschulen 30 Prozent der Plätze in der 7. Klasse verlost werden. „Die Idee des Losens war 2009 ebenso Unfug wie sie sich 2012 als Unfug erwiesen hat“, schreibt Ralf Treptow, der Vorsitzende der Vereinigung der Oberstudiendirektoren, in einer aktuellen Mitteilung. Die Organisation, in der die große Mehrheit der Berliner Gymnasialschulleiter organisiert ist, kritisiert insbesondere, dass durch das Losverfahren viele für diese Schulform ungeeignete Schüler an das Gymnasium kommen.

Staat dieses im vergangenen Jahr erstmals durchgeführten Aufnahmeverfahrens wollen die Schulleiter einen klaren NC am Gymnasium. Wenn ein Grundschüler einen Notenschnitt von 2,0 und besser mitbringe, solle ihm die Zulassung an einem Gymnasium sicher sein, schlug Treptow vor.  Zudem solle die Aufnahme an einem Gymnasium bei einem Notenschnitt „von über 2,0 bis maximal 2,7“  möglich sein. Je nach Schulleiterentscheidung und Platzkapazität.  Wer einen schlechteren Notenschnitt als 2,7 habe, für den sei an einem Gymnasium dann kein Platz mehr. Treptow ist auch Schulleiter des Pankower Rosa-Luxemburg-Gymnasiums.

Doch die Forderungen der Gymnasialschulleiter gehen noch weiter: Da die Noten verschiedener Grundschulen nur begrenzt miteinander vergleichbar seien, fordern die Schulleiter zudem noch eine „Lernabschlussuntersuchung“ für Sechstklässler. Die Berliner Sechstklässler sollten also auch noch zentrale Vergleichsarbeiten in Deutsch, Mathe und 1. Fremdsprache schreiben, deren Ergebnis dann in den Notenschnitt der Grundschule eingerechnet würde.

Tatsächlich haben Grundschulen voneinander abweichende Notenskalen, und auch die mündliche Beteiligung wird an der einen Schule großzügiger benotet als an einer anderen. Studien des Grundschulverbandes hatten zudem ergeben, dass  Lehrer bei der Notenvergabe subjektive Kriterien mit einfließen lassen.  Jungs und Migranten gelten dabei als benachteiligt, selbst Vornamen spielen eine Rolle: Wer Ali oder Kevin heißt, dem geben Lehrer mitunter unbewusst schlechtere Noten als jemandem, der sich Charlotte oder Felix nennt.

Im derzeit geltenden Aufnahmeverfahren sind 10 Prozent der Plätze an nachgefragten Gymnasien und Sekundarschulen für Härtefälle reserviert, 60 Prozent werden nach Kriterien der Schule  ausgewählt, meist also nach dem Notenschnitt der Grundschule. Anschließend werden 30 Prozent der Plätze verlost. Wer dann an seinen Wunschschulen noch nicht zum Zuge gekommen ist, wird an eine Schule des gleichen Typs verwiesen, die noch freie Plätze hat. Wegen dieses neuen Aufnahmeverfahrens gehen die Bezirke in diesem Jahr davon aus, dass etwa 1000 Siebtklässler das Probejahr nicht bestehen werden, In den vergangenen beiden Jahren bestanden nur etwa 600 Schüler das damals geltende Probehalbjahr nicht.