Mitte - Sie zählen zu den hartnäckigsten Hausbesetzern Berlins und riskieren die Zwangsräumung. In der Habersaathstraße 40 bis 48 hat der Neu-Eigentümer den Mietern zum 31. Mai gekündigt. Er möchte das Haus gegenüber vom BND abreißen und ein neues bauen. Doch die Mieter bleiben standhaft. „Wir gehen nicht freiwillig", sagt Bewohner Daniel Diekmann.

Nur 15 der 106 Wohnungen in dem Haus sind noch bewohnt. Im Februar waren es noch 22. Nicht alle haben durchgehalten. Daniel Diekmann, Sprecher der Hausbesetzer, will nicht von einem „Geisterhaus“ reden. „Wir sind eher ein gallisches Dorf“, erklärt er. Gegenüber liegt der klobige Neubau des BND.

Eigentlich hätten Diekmann und seine 14 Nachbarn am 1. Juni die Schlüssel abgeben und die Wohnung verlassen müssen. Sie taten es nicht.

Mietern in der Habersaathstraße wurde viel Geld angeboten

Ihnen wird vom Vermieter viel Geld geboten, damit sie verschwinden. In einem Brief, der der Berliner Zeitung vorliegt, werden einem Bewohner 30.000 Euro angeboten. Es ist der sanfte Weg, bevor vielleicht ein harter kommen könnte. Auch Daniel Diekmann bekam dieses Angebot und lehnte ab. Das Geld sei schnell weg, wenn er sich eine neue Bleibe suchen würde, meint er. Seine Miete in der Habersaathstraße (300 Euro für 40 Quadratmeter warm) zahlt er trotzdem weiter. „Die sollen nichts gegen mich in der Hand haben“, sagt er.

Hausbesitzer ist die Arcadia Estates GmbH. Anfang 2018 kaufte das Unternehmen mit Sitz in Steglitz das Gebäude. Diekmann erinnert sich: „Schon damals wollten der Eigentümer Mietern Geld zahlen, damit sie ausziehen. Im März wurden Modernisierungen angekündigt, kein Stein sollte auf dem anderen bleiben. Bewohner zogen freiwillig aus.“ Im September 2018 kam die Kündigung. Der Frust sitzt nun tief, nicht nur wegen des Sicherheitsdienstes, der derzeit im Haus unterwegs ist. „Das türkische Café im Nebenhaus hat dichtgemacht, weil die Kundschaft wegbleibt“, so Diekmann.

Habersaathstraße: Bezirk wirft Eigentümer Zweckentfremdung vor

Arcadia Estates hatte im letzten Jahr beim Bezirksamt einen Antrag auf Neubau gestellt, der genehmigt wurde. Geplant sind 91 Wohnungen plus Tiefgarage. Den Antrag auf Abriss genehmigte das Bezirksamt aber nicht. Grund: Die geplanten Wohnungen seien zu groß. Und: Der Bezirk wirft dem Eigentümer nun Zweckentfremdung vor, weil er Wohnungen leer stehen lässt.

Arcadia Estates klagt jetzt gegen den Bezirk Mitte, um endlich abreißen zu können. Der Bezirk hält dagegen, wollte das Haus sogar kaufen. Aber der Eigentümer verkauft nicht. Vom Unternehmen ist zu hören, dass man eine Lösung sucht. So sollen alle Besetzer bezahlbare Ersatzwohnungen im Wedding bekommen. Von einer Räumung sei nicht die Rede. Geschäftsführer Dr. Andreas Pichotta ist zu einer offiziellen Stellungnahme aber nicht bereit.