Hacker-Angriff: Auch Daten von Abgeordneten aus Berlin und Brandenburg veröffentlicht

Berlin/Potsdam - Die massenhafte Veröffentlichung teils sensibler Daten deutscher Politiker und Prominenter betrifft auch Mitglieder des Berliner Abgeordnetenhauses. Nach ersten Erkenntnissen stellten Unbekannte Informationen über Politiker der Linken, der SPD, der Grünen und der CDU ins Netz.

Abgeordnete der Linken-Fraktion, SPD und CDU betroffen

In der Linken-Fraktion sind insgesamt 16 Politiker betroffen. Es handelt sich in fast allen Fällen um Mobil- und Festnetznummern. In einem Fall wurden jedoch auch Privatnachrichten und Kontaktdaten veröffentlicht. Laut Sprecher Thomas Barthel sei ein Facebook-Account gehackt worden.

Von der SPD-Fraktion sind drei Abgeordnete betroffen, darunter Raed Saleh. In allen Fällen wurden Mobilnummern veröffentlicht. „Darüber hinaus ist in der Fraktion niemand betroffen“, sagte deren parlamentarischer Geschäftsführer Thorsten Schneider. Eine Überprüfung habe ergeben, dass die Server der Fraktion im Abgeordnetenhaus nicht gehackt worden seien. Daher sei die - vergleichsweise leicht zugängliche - Handynummer Salehs wohl auf anderem Wege öffentlich geworden. Saleh wolle die Nummer dennoch behalten.

Vom CDU-Abgeordneten Christian Gräff stellten Unbekannte via Twitter einen Personalausweis, eine Mailkontaktliste und Privatadressen ins Netz. Es handele es sich um einen bereits abgelaufenen Ausweis, sagte Gräff dazu der dpa. Er beobachte das ganze zunächst und behalte sich rechtliche Schritte vor, so Gräff. Von weiteren sechs Fraktionsmitgliedern wurden Mobilnummern veröffentlicht, darunter die vom Mario Czaja.

Aus den Fraktionen der Grünen wurden lediglich dienstliche Mailadressen veröffentlicht. Die Fraktion der FDP ist nicht betroffen. Das Gleiche gilt für die AfD, die als einzige Partei auch auf Bundesebene verschont blieb.

Die Senatsinnenverwaltung prüft nach Angaben von Sprecher Martin Pallgen, in welchem Ausmaß Informationen Berliner Politiker an die Öffentlichkeit gelangten.

Persönliche Daten von Politikern, Journalisten und Promis bereits vor Weihnachten auf Twitter publik

Nach Recherchen des rbb-Inforadios war zuvor bekanntgeworden, dass bereits vor Weihnachten große Mengen persönlicher Daten und Dokumente von Politikern, Künstlern und Journalisten über Twitter veröffentlicht wurden. Betroffen sind laut Bundesregierung Hunderte Personen des öffentlichen Lebens. Darunter ist auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU), in einem Datensatz tauchen unter anderem eine Faxnummer, eine E-Mail-Adresse und mehrere Briefe auf.

Motive der unbekannten Täter bisher unklar

Wer für den Online-Angriff verantwortlich ist und welche Motivation dahintersteckt, war zunächst noch unklar. Auch ob alle Daten authentisch sind, war zunächst offen. Der Inhaber des genannten und inzwischen gesperrten Twitter-Accounts beschreibt sich selbst mit Begriffen wie Security Researching, Künstler, Satire und Ironie.

„Die Widerstandsfähigkeit unserer informationstechnischen Systeme steht in Frage, wenn es gelingt, so einen breiten Angriff auf zum Teil sehr persönliche Informationen aus unterschiedlichen politischen Parteien und Gliederungen zu fahren“, sagte der Berliner FDP-Netzpolitiker Bernd Schlömer.

„Der Vorfall zeigt, wie wichtig Datensicherheit im digitalen Zeitalter ist“, sagte Grünen-Fraktionschefin Silke Gebel der dpa. Die Fraktionsspitze nehme ihn zum Anlass, alle Abgeordneten erneut für das Thema zu sensibilisieren. (dpa/BLZ)