Der Hackesche Markt im Jahr 1871 an einem marktfreien Tag. Die zu sehenden Gebäude waren größtenteils schon um die Jahrhunderwende durch größere ersetzt.
Foto: Hermann Rückwardt/Hermann Rückwardt

Berlin Hackescher Markt im Jahr 1871 – links geht die Neue Promenade ab, rechts die Oranienburger Straße. Zwei Verkaufsbuden stehen mitten auf dem Platz. Anstelle von C. Bader &Großs Caffee-Röst-Anstalt bietet heute Butlers Allerlei-Sachen an. Die außerhalb der Marktzeiten geschossene Aufnahme erlaubt den Blick auf das robuste Katzenkopfpflaster, das viele ertragen konnte.  

Als die Aufnahme entstand, war es etwa 30 Jahre her, dass die heutigen Grenzen des unregelmäßigen Platzes festgelegt worden waren und er den Charakter eines Marktplatzes erhalten hatte.

Die offizielle Benennung erfolgte 1840: Hans Christoph Friedrich Graf von Hacke hatte 1715 bei den Potsdamer Langen Kerls gedient und eine schöne Karriere bis zum Generalleutnant und Stadtkommandanten von Berlin (seit 1749) hingelegt. Hacke dirigierte den Bau der Spandauer Vorstadt, wo er auch den später nach ihm benannten Markt anlegte.

Markt hielt man tatsächlich vom dem Moment an, da der Platz angelegt war, und Shopping gehört auch heute zu den Dingen, die man am Hackeschen Markt und drumherum tut: in der inoffiziellen Altstadt Berlins, hochbeliebt bei Einheimischen und Besuchern mit Sehnsucht nach Flair.

Quartier voll Wirtschaft und Leben

Seine Entstehung folgte aus dem Abriss der Berliner Bollwerke. Ursprünglich war der Ort ein Sumpfgelände zwischen zwei Bastionen der 1658-1683 errichteten Stadtbefestigung. Hier verlief der Festungsgraben. Als das Spandauer Tor, Teil jener Befestigungen, abgebrochen war, beauftragte Friedrichs II. seinen Stadtkommandanten und Abrissbeauftragen Hacke, vor dem Tor den Platz anzulegen.

Besiedelt war die Gegend schon lange; die Spandauer Vorstadt, gleich neben dem Scheunenviertel, war Berlins bedeutendste Vorstadt. Der Schriftsteller Friedrich Nicolai beschreibt den Hackeschen Markt 1786 als mit ansehnlichen Häusern besetzt: „Auch ist hier ein Kraut- und Fischmarkt, Fleischscharren und verschiedene Krambuden...“

Mit dem Bau der Stadtbahn (zwischen Hackeschem Markt und Jannowitzbrücke auf dem zugeschütteten Festungsgraben) und der Eröffnung des Bahnhofs 1882 entstand ein städtischer Knotenpunkt und ein lebendiges Wirtschaftsquartier.

Auch der seit 1852 in unmittelbarer Nachbarschaft betriebene Zirkus – erst Renz, dann Busch, später Reinhardts Friedrichstadtpalast, hatte auch Nachtleben in die Gegend gebracht.

Berlin in historischen Aufnahmen

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Der famose Theaterkritiker Alfred Kerr schrieb über die Situation um 1899: „…auf der anderen Seite, wo es hell ist, elektrisch hell, balgen sich die schweißduftenden Bewohner des Nordens um die Galerieeingänge, ein graubrauner Schwarm, Arbeiter und beurlaubte Bierkutscher und Hausdiener, Briefträger, die ihren Ausgehtag haben, Kanzlisten und kleine Handwerker, auch Heringsverkäufer mit ihrem Verhältnis, Friseure mit Gattin, hier und da ein Student, ein Soldat, die Polizisten brüllen, die Droschken rasseln, die Pferdebahnen klingeln.“