Berlin - Wenn es nach Leonhard R. Müller gehen würde, könnte sich die Eröffnung des Flughafens Berlin Brandenburg (BER) gern weiter verzögern. „Von mir aus kann es noch etwas länger dauern“, sagte der Chef der Uhrenmanufaktur Askania am Dienstag. Als im Flughafen Tegel ein Modegeschäft den Standort wechselte, ergriff er die Chance – und zog aus seinem bisherigen, gerade mal zehn Quadratmeter großen Raum schräg gegenüber in das leere, fast 270 Quadratmeter große Ladenlokal um.

„So viel Platz werde ich am BER nicht mehr haben“, sagte der Askania-Chef. Teuer sei die Zwischenlösung nicht, der Flughafen sei ihm bei der Miete entgegengekommen. Doch längst nicht jeder, der am BER Flächen gemietet hat, gibt sich so entspannt wie er.

Karsten Schulze ist ehrenamtliches Präsidiumsmitglied der Industrie- und Handelskammer (IHK). Der Chef des Spandauer Busunternehmens Haru Reisen kennt viele Einzelhändler und Gastronomen, die vor langer Zeit im neuen Schönefelder Flughafen Flächen gemietet haben – die sie nun frühestens von Ende Oktober 2013 an nutzen können, um dort Geld zu verdienen.

Manche Unternehmer hätten damit zu kämpfen, ihre Kredite zu tilgen und die Zinsen zu zahlen, berichtete Schulze. „Sie fühlen sich alleingelassen – nicht nur vom Flughafen, auch von der Politik.“ Die frühere Wirtschaftssenator Sybille von Obernitz hatte angekündigt, dass die Investitionsbank IBB in Not geratenen Unternehmen zins- und tilgungslose Darlehen zur Überbrückung gewährt. „Bewegt hat sich nichts“, sagte Schulze. Laut Satzung ist die IBB dazu gar nicht befugt.

Kompensation gefordert

Immer neue, kostenträchtige Probleme treten auf. „Inzwischen laufen für die Technik die ersten Garantiefristen ab“, so Schulze. Teure Kaffeemaschinen, die Fluggäste mit Cappuccino versorgen sollten, oder Waschanlagen von Autovermietungen stünden im Baustaub herum. „Auch in dieser Frage muss sich der Flughafen bewegen“, forderte er. Schulze hat ebenfalls kräftig investiert.

Für die Schnellbuslinie BER 1, die schon seit Juni Steglitz mit dem neuen Flughafen verbinden sollte, hat Haru Reisen sieben Fahrer eingestellt und drei Busse angeschafft – allein für die Fahrzeuge belaufen sich die Kosten auf 750 000 Euro. Nun stehen die neuen Busse meist herum, für das zusätzliche Personal musste andere Arbeit bei Haru gefunden werden. Der Schaden ist groß: Bis Oktober 2013 summiert er sich auf einen sechsstelligen Betrag.

Von Klagen gegen die Flughafengesellschaft ist bei den BER-Mietern derzeit nicht mehr die Rede, berichtete Schulze. Solche Verfahren würden über alle Instanzen hinweg bis zu zehn Jahre dauern – mit ungewissen Erfolgschancen. Es müsse aber Kompensationen und „Trostpflaster“ geben. Am heutigen Mittwoch spricht der Haru-Chef erneut mit der Flughafengesellschaft. Es gebe viele solcher Gespräche, sagte Flughafenchef Rainer Schwarz. „Bis Dezember wollen wir mit allen Betroffenen Lösungen gefunden haben.“

Das könnte eine Verlängerung der Vertragslaufzeit sein, mit der Rückzahlung von Kautionen und dem Verzicht auf Beiträge für die BER-Werbegemeinschaft könne man die Liquidität bessern. Mit einem Drittel der 80 Vertragspartner habe man sich geeinigt. „Bislang hat keiner von ihnen aufgegeben“, so Schwarz.

Neuer Fluggastrekord in Tegel

Bisher habe auch keiner seine Pläne für den BER zurückgezogen, ergänzte Flughafensprecher Ralf Kunkel. Ein Unternehmen sei allerdings noch in größeren Schwierigkeiten.

Der Flughafen hat den Raum für die Lounge Askania & Friends zu „moderaten Bedingungen“ vermietet, sagte Müller. „Sie ist unser Trainingslager für den BER.“ Die Zahl der Fluggäste in Tegel steigt, der September war ein Rekordmonat, so Kunkel. Müller ist zufrieden: „Tegel lohnt sich für uns noch immer.“