Berlin - Die Berliner Einzelhändler dürfen seit Mittwoch ihre Geschäfte für alle öffnen, die am Eingang einen tagesaktuellen negativen Corona-Test nachweisen. Ergebnis der Neuregelung: Die Testzentren sind überlastet, die Geschäfte nahezu leer.

Ostergeschäft in Berlin: „Eine einzige Katastrophe“

„Das ist eine einzige Katastrophe“, sagte Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg e. V., der Berliner Zeitung am Samstagabend. Die Bilanz des Ostergeschäftes der Händler fällt verheerend aus. „Die meisten haben in ihren Geschäften und Kaufhäusern zwei bis zehn Prozent im Vergleich zu sonstigen Frequenz“, sagt er. „Da lohnt es sich doch nicht einmal, die Rolltreppen einzuschalten.“

Schuld daran ist seiner Meinung das Nadelöhr beim Testen. Berlinweit gibt es laut der Webseite test-to-go.berlin jetzt 181 Teststellen in der ganzen Stadt. „Das ist viel zu wenig“, sagt Busch-Petersen und verweist auf Nordrhein-Westfalen. Das Bundesland hat mit rund 18 Millionen sechsmal mehr Einwohner als Berlin aber zigmal mehr Teststellen: 6500 sind es dort laut Landesregierung. 

Ein Blick in die Schloßstraße gibt ihm recht. Am Gründonnerstag und am Karsamstag sind die Schlangen vor den drei Teststellen extrem lang. Bis zu zwei Stunden stehen die Leute an, um sich testen zu lassen. Das macht nur, wer dringend etwas kaufen muss.

Freundliche Verkäufer: „Wir sind froh, wenn wir Arbeit haben“

Kurze Stichprobe bei Karstadt im Boulevard Berlin. Hier kommt rein, wer sein Testergebnis auf dem Handy oder als Ausdruck dabei hat. Personalausweis ist nicht nötig. Im Erdgeschoss verlaufen sich nur wenige Kunden. In der Brillenabteilung wird jede Sonnenbrille, die man angefasst hat, sorgfältig beiseite gelegt, um sie später zu desinfizieren. Die Kundin entschuldigt sich für die Umstände. Die Verkäuferin wehrt ab: „Aber nein, machen Sie ruhig“, sagt sie. „Wir sind froh, wenn wir Arbeit haben.“

Bei Saturn ist das Einlassritual aufwendiger. Die Kunden zeigen ihr negatives Testergebnis vor, geben ihre Personalien an und warten dann auf einen Verkäufer, der sie in die gewünschte Abteilung bringt. Es dauert eine Weile, bis jemand kommt. Das Personal wurde ausgedünnt. „Wir haben gestern erst wieder einige nach Hause geschickt“, sagt der freundliche Fachverkäufer, der einen kleinen Trupp Kundinnen und Kunden in die Elektroabteilung geleitet. Aus dem Auge gelassen wird keiner. Allerdings war auch noch nie so viel Beratung.

Bummeln, wie es die Kanzlerin etwas abfällig genannt hat, will hier keiner. Dem einen ist der Kühlschrank ausgerechnet vor den Feiertagen kaputt gegangen, bei einer anderen streikt die Spülmaschine. Wer selbst abholt, kann die Geräte sofort mitnehmen. „Sie müssen mit dem Auto nur dicht an die Rampe hinter dem Haus heranfahren“, organisiert der Verkäufer die Übergabe der Ware. Was möglich ist, wird möglich gemacht. In diesen Tagen zählt jeder Umsatz.

Läden in der Schlossstraße: Für jeden gilt eine andere Regel

Der Test am Samstag in der Schloßstraße zeigt, dass sich die Händler an die Vorgaben halten. Kleinere Geschäfte bieten den Verkauf an der Ladentür an: Wer keinen Test vorweisen kann, bekommt die Ware auf die Straße herausgereicht. Rechtlich ist da zumindest eine Grauzone. Es kaufen nur wenige.

Wieder andere Geschäfte haben offen, man braucht keinen Termin und keinen Test. Das sind die Blumenläden, Schreibwarengeschäften und Buchhandlungen. Sie gelten wie Supermärkte, Drogerien und Apotheke als Läden mit Waren des täglichen Gebrauchs, also darf jeder rein, der eine FFP2-Maske trägt.

Es ist alles andere als eine einheitliche Vorgehensweise. Tatsache ist, dass sowohl am Gründonnerstag als auch am Karsamstag eine Menge Leute in der Schloßstraße unterwegs sind. In den Kassen der Einzelhändler aber macht sich das nicht bemerkbar. Sie sind enttäuscht. An einigen Geschäften wird für nach Ostern bereits eine Einschränkung der Öffnungszeiten angekündigt. 

Corona-Tests für Kunden: Händler wollen eigene Testzentren eröffnen

Einige Center-Betreiber wollen in den nächsten Tagen versuchen, mit eigenen Teststationen die Wartezeit für die Kundschaft zu verringern. Geplant ist dies auf dem Breitscheidplatz und am Alexanderplatz. Am Wittenbergplatz wurde laut Busch-Petersen nur eine kleine Teststation genehmigt: „Bei den Bezirken entscheidet wieder jeder Fürst nach eigenem Gutdünken.“ Busch-Petersen ist grundsätzlich verärgert über die Politik. "Der Handel ist doch nur das Lockmittel, damit sich die Leute überhaupt testen lassen", sagt er. Dann müsste es aber genügend Gelegenheit dafür geben. Die meisten Händler machten das alles ohnehin nur mit, weil man gehofft habe, es sei besser als das System der Terminvergabe. „Aber jetzt sagen alle, die Kanzlerin soll unsere Läden lieber wieder ganz dicht machen. So funktioniert es einfach nicht.“