Häusliche Gewalt (Symbilbild)
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BerlinTraurige Gewissheit für alle, die in Gewaltschutz und -prävention arbeiten: Die Zahl der Kinder, die von ihren Familien misshandelt wurden, ist im Lockdown tatsächlich angestiegen, genau wie die Zahl der Menschen, die von ihren Partnern angegriffen und oft schwer verletzt wurden. 

Was die Gewaltschutzambulanz der Charité im Juni 2020 verzeichnet, ist erschütternd: 30 Prozent mehr Fälle von Partnergewalt – in der Mehrzahl, aber nicht nur von Männern gegen ihre Partnerinnen – als im Juni 2019. Und ein Anstieg um 23 Prozent bei Gewalt gegen Kinder im ersten Halbjahr. Das sind Zahlen, die alle aufhorchen lassen müssen, denn das Leid der Betroffenen ist groß: In fast allen Fällen von Partnergewalt verzeichnete die Gewaltschutzambulanz Knochenbrüche oder „Gewalt gegen den Hals“, also Würgen. Kinder werden oft brutal geschlagen.

Es braucht sichere Zufluchtsorte: Der Senat muss endlich das siebte Frauenhaus eröffnen, das ursprünglich mal für Beginn des Jahres angekündigt war – nun soll es Ende des Jahres werden, und die Schutzplätze waren schon vor der Corona-Krise viel zu knapp. Doch solche Gewaltexplosionen im Privaten zu bekämpfen ist nicht nur Aufgabe der Politik, sondern notwendigerweise von uns allen. Das Dunkelfeld ist riesig – Scham, Angst und mangelnder Zugang zu Hilfsangeboten sorgen dafür, dass Zehntausende Fälle nie gemeldet werden.

Gewalt gegen Frauen und Kinder wird immer noch häufig als Problem der unteren Bildungs- und Einkommensschichten gesehen, was nachweislich falsch ist, die Scham aber oft vergrößert. Dass es buchstäblich jedem passieren kann und dass es niemals die Schuld des Opfers ist, wenn Partner, Mutter oder Vater gewalttätig werden, ist immer noch nicht richtig durchgedrungen. Deshalb muss das Thema raus aus der Tabuzone – in der Schule, am Arbeitsplatz, in der Familie, im Freundeskreis.