Die schwedische Königin Silvia, hier bei der Eröffnung eines Childhood-Hauses in Heidelberg, gründete die Childhood-Foundation 1999. 
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BerlinEine Beratungshotline für Täter sowie ein zentraler Schutzort für betroffene Kinder sollen finanziert werden: Die Fraktion der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus hat in ihrer Sitzung am Dienstag zwei Anträge beschlossen, mit denen die Maßnahmen gegen häusliche Gewalt in der Hauptstadt ausgebaut werden sollen.

Im Fokus steht die Finanzierung eines sogenannten Childhood-Hauses, das an die Kinderschutzambulanz der Charité am Virchow-Klinikum gekoppelt sein soll. Die Häuser gibt es inzwischen in mehr als vier Ländern. Sie werden in Kooperation mit der Childhood-Foundation eingerichtet und geleitet. Die Stiftung wurde 1999 von Königin Silvia von Schweden gegründet. Der zentrale Gedanke des Konzepts: Personal aus dem Gesundheits- und Sozialwesen, der Polizei, der Justiz sowie der Kinder- und Jugendhilfe an einem Ort zusammenzubringen und Kinder, die Opfer oder Zeugen von häuslicher Gewalt wurden, so zentral zu betreuen.

Das soll den jungen Leidtragenden eine „Odyssee“ durch verschiedene Einrichtungen und Amtsstellen ersparen, wie es Petra Vandrey, rechtspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, formuliert. „Die Behörden, die das Kind vernehmen, kommen zum Kind“, erklärt Vandrey. „Nicht andersherum.“ So soll auch die oft so dringend benötigte Therapie für die Kinder rascher starten können als bisher.

Eröffnung des Hauses an der Charité bereits im September geplant

Die Pläne für ein Berliner Childhood-Haus sind schon abgestimmt und weit gediehen: Die Charité weist bereits eine Kooperation mit der Childhood-Foundation in Form von einer Projektmanagerin in der Kinderschutzambulanz auf ihrer Homepage aus. Die grün geführte Senatsjustizverwaltung unterstützt die Einrichtung eines Hauses laut Vandrey seit langem, Ende September schon sei die Eröffnung an der Charité geplant. Für die Anschubfinanzierung und die „Verstetigung“ des Projektes aber seien Mittel aus dem Abgeordnetenhaus vonnöten.

50.000 Euro wollen die Grünen als Anschub im Nachtraghaushalt einstellen lassen. Die ersten zwei Jahre zahle die Stiftung große Teile – wie das Personal - mit, danach müsse das Abgeordnetenhaus das Angebot übernehmen, so Vandrey. Die Grünen spielen das Thema bereits jetzt, Ziel ist aber ein gemeinsamer Antrag der Koalitionspartner.

Auch mit anderen Passagen ihrer Anträge zielen die Grünen auf große, doch selten beleuchtete Problemfelder im Bereich der häuslichen Gewalt. Der Opferschutz durch Präventionsangebote für Täter solle ausgebaut werden, verlangen sie. „Es wird die Möglichkeit geprüft, eine Notfall-Hotline für potenzielle Täter*innen einzurichten.“ Grünen-Rechtsexpertin Vandrey, ihres Zeichens Fachanwältin für Familienrecht, sieht hier auch in der Corona-Krise größeren Bedarf: Experten beobachteten verstärkt Gewalt in bestehenden Beziehungen. „Auch viele Täter wären froh, wenn es für sie ein Angebot gäbe.“