Wer Opfer von häuslicher Gewalt wird, braucht Hilfe - auch während der Corona-Krise.
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BerlinDie Corona-Pandemie stellt viele Familien und Paare vor große Herausforderungen: Man verbringt deutlich mehr Zeit miteinander und kann sich nur schwer aus dem Weg gehen. Dazu kommen finanzielle Nöte und Existenzsorgen. „Die Situation kann zu erhöhtem Stress führen“, sagte die Psychologin Anja Stiller vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. „Wenn in Familien schon latent Konflikte da waren, können diese eskalieren.“

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Berlins Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) rechnet deshalb mit mehr Gewalt in Familien und Beziehungen. „Wir stellen uns in dieser Zeit darauf ein, dass Straftaten der häuslichen Gewalt deutlich zunehmen werden“, sagte Behrendt der Deutschen Presse-Agentur.

Giffey: Auch in der Corona-Krise müssen Frauen Hilfe bekommen

Um insbesondere Frauen und Kinder vor Gewalt zu schützen, verkündete Bundesfrauenministerin Franziska Giffey (SPD) am Donnerstag, dass überfüllte Frauenhäuser in der Corona-Krise kurzfristig Hotels und Ferienwohnungen nutzen können. Sollten Frauenhauskapazitäten erschöpft sein, könne die Unterbringung unbürokratisch durch Länder und Kommunen ausgeweitet werden, so Giffey.

Zuvor hatte Giffey bereits über Facebook eine Einigung mit den zuständigen Ministerinnen und Ministern der Länder verkündet. Demnach sollen entsprechende Räumlichkeiten durch Länder und Kommunen kurzfristig angemietet werden können. „Auch in Zeiten von Corona müssen Frauen, die von Gewalt betroffen sind, die Hilfe bekommen, die sie benötigen“, teilte Giffey mit. 


Häusliche Gewalt - Hier finden Sie Hilfe

Das Bundesamt für Familie hat eine Hotline für Frauen eingerichtet, die bundesweit Beratungen am Telefon anbietet. Auf der Internetseite des Amtes wird eine E-Mail- und Chat-Beratung angeboten. In 18 Sprachen können Frauen vertraulich und anonym Hilfe finden. Unter der kostenlosen Telefonnummer 08000 116 016 bekommen Hilfesuchende rund um die Uhr Unterstützung. Das Angebot gilt auch für Angehörige, Freunde und Fachkräfte. Webseite: www.hilfetelefon.de

Die Diakonie ist Trägerin von 33 Frauen- und Kinderschutzhäusern und Frauenberatungsstellen, in denen Frauen Hilfe finden. Eine Übersicht über rechtliche Schritte gegen häusliche Gewalt und Tipps für Angehörige finden Sie auf dieser Seite. Eine interaktive Karte zeigt die nächsten Anlaufstellen für Betroffene.
Webseite der Diakonie: https://hilfe.diakonie.de/gewalt-gegen-frauen

Die Hilfsorganisation Weisser Ring e.V. bietet ebenfalls eine Online-Beratung auf der Webseite an. Außerdem eine Hotline und Beratungsangebote vor Ort. Die Hotline ist kostenfrei unter 116006 zu erreichen, täglich von 07.00 bis 22.00 Uhr.  
Webseite Weisser Ring: https://weisser-ring.de/praevention/tipps/haeusliche-gewalt

Bei der Nummer gegen Kummer bekommen Kinder, Jugendliche und Eltern kostenfrei und anonym Rat und Unterstützung per Telefon. Die Hotline des Kinder- und Jugendtelefons ist von Montag bis Samstag von 14 bis 20 Uhr unter der Rufnummer 116 111 erreichbar. Eltern können sich montags bis freitags von 9 – 11 Uhr und dienstags und donnerstags von 17 bis 19 Uhr unter der Nummer 0800 111 0550 an das Elterntelefon wenden.
Webseite:  https://www.nummergegenkummer.de/ 

Die Polizei rät bei akuter Bedrohung sofort die 110 zu wählen und auf jeden Fall eine Anzeige zu erstatten. Die Polizei muss im Fall einer Strafanzeige wegen häuslicher Gewalt ermitteln, Betroffene schützen, sowie ein Verfahren gegen den Täter einleiten. Außerdem raten die Strafverfolgungsbehörden, Verletzungen durch einen Arzt attestieren zu lassen.
Weitere Informationen auf der Seite der Polizei: https://www.polizei-beratung.de/opferinformationen/haeusliche-gewalt/

Die Gewaltschutzambulanz der Charité (030 / 450 570 270) bietet eine kostenlose rechtsmedizinische Dokumentation, denn bei akuten Verletzungen sollten Betroffene schnellstmöglich zum Arzt gehen.
Webseite: https://gewaltschutzambulanz.charite.de/