Der Mann, der acht Brandanschläge in Berlin verübt hat, ist tot. Ein Justizbediensteter der Untersuchungshaftanstalt Moabit fand den 48-jährigen Ralph K. erhängt vor, als er um 6.27 Uhr dessen Zelle aufschloss.

„Anzeichen für ein Fremdverschulden gibt es nicht“, sagte Justizsprecherin Claudia Engfeld. Die Leiche soll noch obduziert werden. Nach Angaben aus Justizkreisen hinterließ Ralph K. einen Abschiedsbrief. Der freiberufliche Musiklehrer aus Steglitz war am vergangenen Donnerstag festgenommen worden, nachdem er einen Brandsatz auf das Gelände des Bundeskanzleramtes geworfen hatte.

Er legte ein umfassendes Geständnis ab und räumte auch sieben weitere Brandanschläge seit August vergangenen Jahres ein – gegen die CDU-Bundeszentrale, den Reichstag, das Paul-Löbe-Haus und die Grundstücksmauer des Schlosses Bellevue. Die Anschläge verursachten geringen Schaden. In den meisten Fällen wurden lediglich die Fassaden verrußt. In einem Fall zündete der Brandsatz nicht.

Am Tatort hinterließ der Brandstifter jedes Mal Flugblätter, die mit „Deutsche Widerstandsbewegung“ unterschrieben waren und in denen von einer „multikulturellen, multiethnischen, multireligiösen und multigeschichtlichen Bevölkerungskonstellation“ die Rede war. Diese Flugblätter fanden Ermittler des Staatsschutzes auch in der Wohnung des Festgenommenen.

Gegen Ralph K., der bislang durch Straftaten nicht aufgefallen war, wurde Haftbefehl wegen Brandstiftung in acht Fällen erlassen. Von einer Organisation namens „Deutsche Widerstandsbewegung“ wissen die Behörden nichts. Sie bestand wohl nur aus dem 48-Jährigen selbst.

Die Justizbediensteten hatten nach eigenen Angaben keine Anhaltspunkte dafür, dass sich der Mann etwas antun könnte. „Am Tag zuvor wurde er noch von einem Arzt untersucht“, sagte Claudia Engfeld.

Bei Haftantritt werde jeder Neuzugang untersucht. Gebe es Anhaltspunkte für eine Suizidgefahr, dann werde auf die Häftlinge besonders aufgepasst. So schauen Bedienstete auch nachts in unregelmäßigen Abständen in den Zellen nach. Akut Suizidgefährdete, die besonders engmaschig betreut werden müssen, werden laut Justizverwaltung in einem besonders gesicherten Haftraum untergebracht, in dem sie per Infrarotkamera überwacht werden.

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